Im Zentrum des Buches steht das Verfahren, mit welchem dem Konstanzer Literaturwissenschaftler Hans Robert Jauß (1921-1997) fast zwei Jahrzehnte nach seinem Ableben von seiner Universität und der Öffentlichkeit seine jugendliche Teilnahme am Zweiten Weltkrieg als Offizier der Waffen-SS zum Vorwurf gemacht wird. Leichthin erhobene Behauptungen, verschwiegene Sachverhalte, Reflexe auf die Reizwörter Waffen-SS und Kriegsverbrecher waren dabei dominant, sie entfalteten schon bald ohne ausreichende Absicherung durch überzeugende Belege ein Eigenleben und steuerten die öffentliche Meinung.
Der hier vorgelegte Band ist hierzu die erste Gegenstimme überhaupt. Geschildert werden nicht nur die dazu zentralen Sachverhalte, in den Blickpunkt treten ebenso die Ursachen der Kampagne und deren Folgen für unser Geschichtsbild. Hier abgedruckte bislang unveröffentlichte bzw. nur schwer zugängliche Dokumente untermauern ein engagiertes Plädoyer für einen angemessenen Umgang mit diesem sensiblen Sujet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.01.2018
Paul Ingendaay empfiehlt das Buch des Althistorikers Wolfgang Schuller zum Fall Jauß. Der Autor rekonstruiere die Debatte zwischen 2013 und 2017, lege geduldig und sorgfältig Heimlichkeiten, Ungereimtes und Entstelltes offen, meint Ingendaay, und arbeite mit nachprüfbarer Dokumentation und eigenen Argumenten. Die Bücher, Artikel und Interviews, die der Autor dazu heranzieht, kann der Rezensent im Anhang nachverfolgen und stößt dabei sogar auf unveröffentlichte Quellen, die für das Verständnis der Debatte unerlässlich sind, wie er findet. Jeder würde sich einen Verteidiger wie Schuller wünschen, der keine pauschale Freisprechung anstrebt, sondern fair und genau vorgeht, meint Ingendaay.
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