Der später als liberaler Entspannungspolitiker bekannt gewordene Wolfgang Schollwer, ehemaliger LPD-Funktionär, wurde als stellvertretender Leiter des Ostbüros der FDP zur "operativen" Zielscheibe der Staatssicherheit.Sein Tagebuch ist ein beeindruckendes Dokument über die harten Auseinandersetzungen in der Frühphase der beiden deutschen Staaten und grenzüberschreitender Propagandaaktivitäten zur Hochzeit des kalten Krieges.Vom Herausgeber ergänzt durch Dokumente des DDR-Geheimdienstes über Operationen gegen das Ostbüro.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.11.2005
Der vorliegende Band schließe eine Lücke der bisher von Wolfgang Schollwer veröffentlichten drei Tagebücher, die von 1948 bis ins Jahr 1966 reichten, erklärt Rezensent Karl-Ulrich Gelberg. Im Gegensatz zu den bisherigen Bänden enthalte er aber leider keine biografischen Anmerkungen, bemängelt Gelberg. Der Autor sei gewissermaßen in historischen Kalte-Krieg-Zeiten Mitarbeiter des Ostbüros der FDP gewesen, so der Rezensent, als die Staatssicherheit gerne mal Kollegen von Schollwer verschleppte und in Schauprozessen verurteilte. Als früheres Mitglied der LDPD in der DDR, so der Rezensent, habe Schollwer in den fünfziger Jahren sowohl der zunehmend laschen Deutschlandpolitik der FDP gegenüber gestanden, als auch dem Rechtsruck in der nordrhein-westfälischen FDP. In seinen Aufzeichnungen bestätige Schollwer, dass das Ostbüro der FDP "amerikanisches Geld" erhalten habe, "vermutlich" von der CIA. Nachrichtendienstlich aktiv sei das Büro allen Behauptungen zum Trotz dagegen nicht gewesen. Besonders gefallen haben dem Rezensenten einige "biografische Skizzen" der FDP-Prominenz. Nachdem das Ostbüro 1957 "abgewickelt" wurde, so der Rezensent, habe Schollwer als Redakteur des FDP-Pressedienstes gearbeitet, auch wenn er sich dort als "deutschlandpolitisch kaltgestellt" betrachtete.
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