Das Buch analysiert auf einer sehr breiten Quellenbasis die Entwicklung der deutschland- und außenpolitischen Vorstellungen, Konzepte und Beiträge Willy Brandts von den Anfängen der Bundesrepublik 1948 bis zum ersten Passierscheinabkommen 1963. Damit wird erstmals eine umfassende Untersuchung über die Vorgeschichte der Brandtschen Ostpolitik vorgelegt. Vor allem eines wird dabei deutlich - und das ist neu: Im Gegensatz zum bisher in der Literatur vorherrschenden Urteil hat Brandt seine Ostpolitik wie auch seine "Politik der kleinen Schritte" lange vor dem Mauerbau 1961 konzeptionell entwickelt. Die mit dem Slogan "Wandel durch Annäherung" bezeichnete Konzeption, die Egon Bahr im Juli 1963 in Tutzing vorstellte, war nicht neu, sondern im Kern identisch mit dem, was Willy Brandt schon seit Mitte der fünfziger Jahre vertrat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.08.2001
Wulf Schmiese lobt die fleißige Archivarbeit, die Wolfgang Schmidt zur Belegung seiner zentralen These geleistet hat. Diese behaupte, Willi Brandt habe bereits lange vor dem Mauerbau seine Ostpolitik - bei gleichzeitig entschiedener Bejahung der Westintegration der Bundesrepublik - konzipiert. Wichtige Bestandteile der Brandtschen Rhetorik wie "Koexistenz" oder "Status quo" könne der Autor schon für die Mitte der fünfziger Jahre nachweisen. Nur leider hat Schmidt, so kritisiert der Rezensent, die bisherige reichhaltige Forschungsliteratur kaum zur Kenntnis genommen. So trage er sehr ausführlich sattsam Bekanntes zu Brandts politischer Rolle in der deutschen Nachkriegsgeschichte zusammen, ohne dass dies zu neuen Erkenntnissen führe.
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