Wolfgang Schlüter

Dufays Requiem

Roman
Cover: Dufays Requiem
Eichborn Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783821806716
Gebunden, 400 Seiten, 25,90 EUR

Klappentext

Ein bizarrer Brief schreckt die in Wien lebende Musikwissenschaftlerin Antonietta Riccoli aus ihrem ruhigen Leben. Er ist halb auf latein, halb auf altfranzösisch geschrieben, der Text ist ein Rätsel, Teile scheinen liturgischen Formeln zu entstammen - doch eine Zeile droht dem Empfänger: "Mal heur me bat" - Eine schlechte Stunde hat mir geschlagen. Gut, daß sie den deutschen Altphilologe Wernfried Hübschmann kennt. Er hat mit Antonietta gewettet, das verschollene erste Requiem der Musikgeschichte aufzuspüren. Ein Werk, das Guillaume Dufay für seine eigene Beerdigung geschrieben hat. Je weiter Hübschmann den Spuren des Requiems bis in die Gegenwart folgt, desto klarer wird, daß zwischen Requiem und Drohbrief ein Zusammenhang besteht ...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.06.2002

Ein durch und durch ungewöhnliches Buch erwartet den Leser bei der Lektüre von "Dufays Requiem", was denjenigen nicht weiter überraschen wird, der Schlüters 1984 erschienen ersten Roman gelesen hat, den dieser selbst als "experimentell" bezeichnete. Das Besondere an dem neuen Buch, wie Rezensent Guido Graf findet, ist jedoch, das hier eine "exklusiv wirkende Konventionalität mit ins Spiel" komme. In "Dufays Requiem" geht um "die möglicherweise zerstörerische Auseinandersetzung zwischen Konvention und Form", führt er aus. So greife der Autor ungeniert auf Elemente des realistischen Romans, auf erprobte Dialogstrukturen oder sogar auf Krimimuster zurück, und das alles sehr gekonnt, wie Graf findet. Am meisten beeindruckt ihn jedoch an diesem seiner Ansicht nach "kunstvollen Prosawerk" Schlüters Fähigkeit, "den Vorgaben des musikalischen Materials zu folgen". Musik und ihre zerstörerische Wirkung ist nach Grafs Rezension wohl das wesentliche Thema dieses Romans, und Schlüter variert es , indem er "übereinander verschränkt", "ineinander rankt", Motive aneinanderreiht. Graf vergleicht den Roman, der so entstanden ist, mit einem "polyphonen Spinnennetz", das von den frühen musikalischen Anfängen bis hin zur Moderne alles gefangen hält.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.01.2002

Friedhelm Rathjen, der selbst als "Moby Dick"-Übersetzer von sich reden machte, bespricht das Buch eines Autors, der sich seinen Lebensunterhalt ebenfalls als Übersetzer verdient. Schlüters Roman über ein verschollenes Werk des spätmittelalterlichen Komponisten Guillaume Dufay nötigt ihm dabei vor allem einen kollegialen Respekt ab: Schlüter sei ein "Bauchredner", einer, der alle Dialekte und Jargons - von der Diktion des 15. Jahrhunderts bis zu englischen Polizeiprotokollen - perfekt beherrscht und in seinem "hochartifiziellen" und "vertricksten" Roman offensichtlich munter durcheinanderwirbelt. Es geht um einen Musiklehrer namens Hübschmann, der sich auf die Suche nach Dufays Requiem macht, erfährt man aus Rathjens Rezension. Dabei geht es nicht ohne kriminalistische Intrige und einen Mord ab - aber Rathjen warnt den interessierten Leser: Ein Krimi ist das nicht, sondern ein "hochintellektueller Roman". Was er davon hält, sagt Rathjen eigentlich nicht.
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