1797 nimmt ein jüdischer Tuchhändler aus dem polnischen Rawicz den Namen Strassmann an. Seine Enkel studieren in Berlin Medizin der Beginn eines rasanten sozialen Aufstiegs trotz aller Hindernisse, die ihnen wegen ihrer jüdischen Herkunft immer wieder in den Weg gelegt werden. 1848 geht der Medizinstudent Wolfgang Strassmann in Berlin auf die Barrikaden, als Arzt wird er 1875 Stadtverordnetenvorsteher und leitet zusammen mit Rudolf Virchow die Modernisierung der Stadt. Das ruft Proteste hervor, unter anderem die antisemitischenÄußerungen Adolf Stöckers. In der nächsten Generation wird Fritz Strassmann ein bekannter Gerichtsmediziner; Paul Strassmann gründet eine Frauenklinik und verhilft 15 000 Kindern zur Geburt. Seine Tochter Antonie ist eine berühmte Schauspielerin und Fliegerin. 1932 fliegt sie allein 3000 Kilometer von Pernambuco nach Buenos Aires. Dann ergreifen die Nationalsozialisten die Macht. Paul wird enteignet, sein junger Cousin Ernst geht in den Widerstand. Einige Familienmitglieder überleben in Verstecken, andere werden ermordet. Viele emigrieren in die USA wie Antonie und ihr Bruder Erwin, der an die berühmte Mayo-Klinik eingeladen wird. Sein Sohn Wolfgang Paul wiederum ist es, der hier von den Strassmanns berichtet trotz der Jahre der Verfolgung eine Geschichte voller Lebensbejahung und Mut.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 16.03.2006
Spannend findet Willi Jasper Wolfgang Strassmanns Geschichte seiner Familie, das der Rezensent auch als Chronik des akkulturierten Judentums in Deutschland gelesen hat. Strassmann erzählt die Geschichte seiner Ärztedynastie, die von dem Tuchhändler Schmuhl Molower aus der Nähe von Posen um 1800 begründet wurde, als er den Namen Strassmann annahm, nach Berlin zog und seine Enkel Medizin studieren ließ. Der Autor erzählt die Geschichte der verschiedenen Familienmitglieder, die Jasper interessiert verfolgt hat. Wolfgang Strassmann selbst musste als Elfjähriger mit seinen Eltern Deutschland verlassen.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…