Die letzten Gedichte, die es von Wolf Wondratschek öffentlich zu lesen gab, sind 1996 kurz nach seinem Umzug nach Wien erschienen, es handelt sich um den Zyklus "Das Mädchen und der Messerwerfer". Danach schrieb er fast ausschließlich Erzählungen und Romane. Und nun diese Überraschung: Ein Band mit neuen Gedichten, ein schmaler Band, der - wie er es sich wünschte - leicht in jede Manteltasche passt. "Bücherregale machen", ließ er den Verlag wissen, "Gedichte kaputt. Sie brauchen die Wärme eines Körpers."
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 20.09.2023
Wolf Wondratscheks Lyrikdebüt "Chucks Zimmer" war 1974 eine Sensation, weiß Rezensent Jan Drees. Jetzt ist Wondraschek achtzig und hat den Band "Einige Gedichte" veröffentlicht, in dem er sanftere Töne anschlägt, so Drees, der den Band als "Vorlass" liest: Der Dichter blickt zurück auf sein Leben ("Frauen legten mir die Liebe zu Füßen"), gibt "letzte Ratschläge" ("Hände weg von allem/was Großmutter um den Verstand gebracht hätte") und erinnert sich an seinen verstorbenen Bruder. Die Ahnung vom eigenen Tod hört Drees aus diesen Gedichten deutlich heraus, artikuliert mit der gleichen "sprachlichen Kraft" wie früher, aber in leiseren Tönen.
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