Klappentext
Aus dem Niederländischen von Lisa Mensing. Nach dem Tod ihres Mannes räumt Christien Brinkgreve das gemeinsame Haus um. Was wie eine äußere Routine erscheint, stößt bei ihr eine innere Bewegung an: Eine Frau blickt zurück - auf ihr Leben, ihre Ehe, ihre Rolle in der Familie und in der Welt. Was bleibt von den gemeinsamen Jahrzehnten? Wer war sie in der Beziehung, wer ist sie ohne sie? Und wie kann es sein, dass sie sich als selbstbestimmte Frau zwischen Liebe und fremden Erwartungen verloren hat? Brinkgreves Buch findet Worte für Schlüsselerfahrungen, die viele Frauen teilen. Eine radikal persönliche Rückschau, eine große und schonungslose Erkundung des Frauseins, des Alterns und der Lebensentscheidungen, die wir aus Liebe treffen.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 16.04.2026
Ein starkes und mutiges Buch hat Christien Bringreve laut Rezensentin Katharina Döbler geschrieben. Die Soziologin Bringreve schreibt über ihre Liebe zu und Ehe mit ihrem Mann, dem Starjournalisten Arend Jan Heerma van Voss, im Buch nur A. Es geht darum, wie dieser A. den Anspruch stellt, dass Bringreve nach der Heirat ganz für ihn da ist und, wie in vielen Ehen üblich, sich um Kinder und Haushalt kümmert. Die Frau muss, damit das klappt, viele Kompromisse eingehen, was dazu führt, dass die Beziehung zunehmend belastend erlebt wird. Bringreve klagt den inzwischen verstorbenen A. nicht an, sondern befragt vor allem ihre eigene Rolle in der Beziehung und legt auch Wert darauf, dass es keine eindeutigen Ursachen gibt für das Unglück, das sie erlebt hat, resümiert die Rezensentin. Döbler gefällt besonders gut, wie schonungslos ehrlich und persönlich, ohne allzu viele soziologische Verallgemeinerungen, Bringreve hier schreibt.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.02.2026
Rezensentin Gabriela Herpell begegnet in ihrer Doppelkritik zwei unterschiedlich tiefgehenden Ehebilanz-Romanen. Dabei kann Bodo Kirchhoffs Roman trotz "genialen" Titels ("Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt") für sie nicht ganz mithalten mit der Ehrlichkeit und Schärfe, die die niederländische Autorin Christien Brinkgreve an den Tag legt: in "Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" blickt sie auf die schwierige Ehe zu ihrem depressiven und narzisstischen, aber auch unterhaltsamen Ehemann zurück. Äußerst differenziert findet Herpell dabei, wie die Autorin auf die Schwächen ihres Mannes hinweist, auch ehrlich die nach seinem Tod neu gewonnene Freiheit eingesteht (zumindest sich selbst), aber auch gleichzeitig die eigene Anfälligkeit für emotionale Machtausübung kritisch unter die Lupe nimmt - gerade auch im erschreckenden Kontrast zur feministischen Aufgeklärtheit als Frauenforscherin. Und auch die Anerkennung füreinander, das Interesse für das Seelen- und Berufsleben des jeweils anderen, bekommt bei Brinkgreve Raum in dieser ungeschönten, aber ausgewogenen, nicht zynischen Darstellung, lobt die Kritikerin.
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