Ullstein Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783550204128 Gebunden, 272 Seiten, 22,99
EUR
Klappentext
Ich bin endlich alt genug. Alt genug für bequeme Unterwäsche und für unbequeme Wahrheiten. Ich lache nicht mehr über jeden blöden Witz. Ich weiß, wohin ich nicht gehöre, und bin so frei wie nie. Frei, zu bleiben. Frei, zu gehen. Meine Falten werden tiefer, die Augen schlechter und der Blick schärfer. Manchmal wünschte ich, ich wäre schon früher so alt gewesen wie jetzt. Aber reifen kann man eben nur mit der Zeit. In diesem Buch feiert Ildikó von Kürthy die Kraft der Lebensmitte, das Wunder des Mittagsschläfchens und das kostbare Gefühl, dass wir mit all unseren Ängsten, Ideen, Zweifeln und den schmerzhaften Abschieden nicht allein sind.
Rezensentin Christine Lemke-Matwey rät Ildiko von Kürthy und Elke Heidenreich, die sich kürzlich ebenfalls in der Zeit über Denis Scheck empörten - genau wie Sophie Passmann, die in den sozialen Medien nachzog - zu mehr Gelassenheit: Nicht alles, was Anstoß errege, sei "sexistisch, rassistisch, faschistisch oder sonst irgendwie -istisch", findet die Kritikerin. Kürthys Buch, Auslöser der Debatte, widmet sie dennoch eine knappe, aber faire Besprechung - aber das Urteil fällt nicht besonders positiv aus. Dass Kürthy aus ihrem Herzen nie eine Mördergrube machte, will Lemke-Matwey ihr gar nicht ankreiden, vor allem wenn die Naivität so "elegant" daherkommt. Nur scheinen die beschriebenen Minderwertigkeitskomplexe und Selbstversuche, die die 58-jährige Autorin hier unternimmt, der Rezensentin doch etwas prätentiös: Catwalk bei Heidi Klums Germanys Next Topmodel? Besuch eines New Yorker Lesben-Clubs? Das finde Lemke-Matwey so wenig "existenziell" und nachhallend, dass sie lieber zu Christine Rösingers "The Joy of Ageing" rät.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.04.2026
Die Diskussionen über dieses Buch findet Rezensentin Marie Schmidt ärgerlich - aber das Buch selbst leider auch. Ildikó von Kürthy beschäftigt sich darin mit der an sich wichtigen Frage, wie man beziehungsweise frau in unserer Gegenwart auf gute Weise altern kann. Sie sei jetzt "alt genug", nicht mehr so viel darüber nachzudenken, was die Leute sagen, oder hässliche Unterwäsche zu tragen. Allerdings schreibt sie dabei vor allem über sich selbst, merkt die Kritikerin an, und zwar aus der Sicht einer gut situierten Schriftstellerin mit einem Haus an der Alster - ob das für viele so sehr anschlussfähig ist? Dass sie sich gleichwohl mit ihren Leserinnen zu verschwestern sucht, gefällt der Rezensentin nicht allzu gut, vor allem weil dabei doch immer wieder eine "Gartenzaunmentalität" aufscheint, gegen die Kürthy ja nach eigenen Angaben so immun ist. Das alles "geht gut rein", gesteht Schmidt zu, Kürthy schreibt Champagner-fluffig, aber ergeht sich gleichzeitig in billigem Intellektuellen-Bashing. Schmidt hat das Buch alles in allem wenig Freude gemacht.
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