Wojciech Jagielski

Wanderer der Nacht

Eine literarische Reportage
Cover: Wanderer der Nacht
Transit Buchverlag, Berlin 2010
ISBN 9783887472443
Gebunden, 260 Seiten, 18,80 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Lisa Palmes. Wojciech Jagielski hat sich in den letzten Jahren immer wieder in den gefährlichsten Krisengebieten dieser Welt aufgehalten: Kaukasus, Afghanistan, Tschetschenien - und immer wieder Afrika. In seinem neuesten Buch schreibt Jagielski über Uganda, über Truppenführer, die Dörfer überfallen und Kinder rauben, über Eltern, die mit aller Kraft und Phantasie versuchen, ihre Kinder vor diesem Schicksal zu bewahren. Er schreibt aber auch über die politischen Hintergründe, die gesellschaftliche "Normalität" und fragt, wieso aus ehemaligen "Befreiern" immer wieder habgierige und brutale Despoten werden, wie Menschen in einem dreißigjährigen Bürgerkrieg überleben, und trotz allem die Hoffnung auf eine Zukunft nicht aufgeben.
Er erweitert seine Reportage durch fiktive, erzählerische Elemente und erreicht damit eine eigene schriftstellerische Qualität. Besonders eindrucksvoll sind seine genauen und stilistisch sensiblen Porträts von Menschen, die Soldaten oder Partisanen waren, fliehen konnten und jetzt mit diesem Trauma leben müssen; von Kindern, die sich vor dem Militär oder den Guerilleros verstecken, nachts aus den Dörfern in die Städte ziehen (wo sie sicherer sind) um dann, am Morgen, wieder zurückzuschleichen - eben die "Wanderer der Nacht".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.11.2010

Wojciech Jagielskis Reportage über das Schicksal von Kindersoldaten in Uganda hat Rezensentin Judith Leister nicht kalt gelassen. Der polnische Reporter zeigt für sie anschaulich die Machenschaften von Joseph Konys Lord?s Resistance Army auf, die während des Bürgerkriegs rund 30.000 Kinder zu Kindersoldaten gemacht hat. Die Beschreibung der unvorstellbaren Grausamkeiten - Mord, Folter, Vergewaltigung, Kannibalismus -, die an und von diesen Kindersoldaten begangen wurden, wird dem Leser nach Angaben von Leister nicht erspart. Sie hebt insbesondere hervor, dass Jagielski in der Vorbemerkung zu seinem Buch, das er selber als "dokumentarische Erzählung" bezeichnet hat, sein Verfahren, die Vermischung von Dokumentation und Fiktion, die auch persönliche Ängste und Zweifel nicht ausspart, offen legt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.08.2010

Beeindruckend und verstörend findet Rezensent Diethelm Blecking diese Reportage über Gewalt an und von Kindern in Uganda, die Wojciech Jagielskis, Starreporter der liberalen polnischen Tageszeitung Gazeta Wyborcza, vorgelegt hat. Angelegt als Mischung aus Dokumentation und "dokumentarisch aufgeladener Fiktion" werde das Schicksal von Kindersoldaten geschildert, und zugleich die Geschichte des jahrzehntelangen Bürgerkrieges in Uganda mit 1,5 Millionen Toten erzählt. Der Autor beschreibe eindringlich Entführung und Misshandlung von Kindern, grausame Rituale, die sie erleiden müssen, beispiellose Gräueltaten, die sie als Kindersoldaten begehen, den Wahnsinn der Anführer, das Chaos im Land nach der Unabhängigkeit. Das Fazit des Rezensenten: eine erschütternde Reportage, die beim Leser die gleiche Ratlosigkeit zurücklässt wie beim Autor.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.07.2010

Rezensent Michael Bitala hält diese Reportage des polnischen Journalisten Wojciecj Jagielski schlicht für das Beste, was man derzeit über die Horrorarmee des ugandischen Psychopathen Joseph Kony lesen kann. Kony befehligt im Norden die Lord's Resistance Army, für die er Zehntausende von Kindern gekidnappt hat, die er bereits seit Jahrzehnten plündern, brandschatzen, vergewaltigen und morden lässt, lange im Norden Ugandas, mittlerweile auch im Kongo.Was dem Rezensenten besonders gut gefällt, ist, dass Jagielski es nie bei der Schilderung bestialischer Gräueltaten belässt, sondern Erklärungen für sie zu finden versucht. So beschreibt er etwa, wie Sudans Regierung Kony unterstützt, um seine Nachbarn zu schwächen und wie die Acholi, die den Norden Ugandas bewohnen, durch ihren animistischen Glauben in Todesangst vor Kony erstarren. Bitala weist darauf hin, dass Jagielski seine Reportage mit gutem Grund "literarisch" - im Sinne von fiktional - nennt, denn er hat Fakten verändert und etwa verschiedenen Personen zusammengefasst. Das geht für den Rezensenten noch in Ordnung, woran er sich allerdings stört, ist die Bezeichnung Stämme für zum Teil Millionen Menschen umfassende Volksgruppen.
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