Aus dem Englischen von Bernhard Tragelehn. "Maß für Maß" ist das politischste der Stücke Shakespeares: Staat und Recht und Macht und die Moral der geschlechtlichen Beziehungen, politisch-moralische Krise und Zweikampf um die Herrschaft, Todesstrafen und Begnadigungen. Die Übersetzung des Stücks entstand 1965/66 für eine Aufführung in der DDR, in Eisenach, und wurde überarbeitet 1979/80 für eine Aufführung in der BRD, Tragelehns erste Regiearbeit im Westen, die legendäre Aufführung mit Brombacher, Voss und Bierbichler in Stuttgart, die in Bochum weitergespielt wurde.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 16.12.2009
Dass der Brecht- und Müller-Schüler B.K. Tragelehn fast unbemerkt Shakespeare übersetzt, vor allem dass er es mit viel Gespür für das Originelle am Original und mit philologischem wie theaterpraktischem Verstand tut, kann Peter Michalzik kaum fassen. Nicht nur sieht er das machtskeptische Potential Shakespeares hier mustergültig herausgearbeitet. Es ist die Sprache, Tragelehns diesbezügliche Prägung durch die DDR, durch Brecht und Müller, und die Verbindung mit der Konkretheit Shakespeares, die den Rezensenten schier umhaut. Etwas knorrig, aber immer von der Lust am Sprechen, am klaren Benennen wie am verdichtenden Sprachspiel erzählend erscheint ihm der Vers in Tragelehns Übertragung. Gerade weil das Buch darüber hinaus so schön und sorgfältig gemacht ist, empfindet Michalzik die durcheinandergeratene Paginierung in den Anmerkungen als sehr ärgerlich.
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