Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren. Die kleine Stadt Sutton im Nirgendwo der Südstaaten. An einem Nachmittag im Juni 1957 streut der schwarze Farmer Tucker Caliban Salz auf seine Felder, tötet sein Vieh, brennt sein Haus nieder und macht sich auf den Weg in Richtung Norden. Ihm folgt die gesamte schwarze Bevölkerung des Ortes. William Melvin Kelleys wiederentdecktes Meisterwerk "Ein anderer Takt" ist eines der scharfsinnigsten Zeugnisse des bis heute andauernden Kampfs der Afroamerikaner für Gleichheit und Gerechtigkeit. Fassungslos verfolgen die weißen Bewohner den Exodus. Was bringt Caliban dazu, Sutton von einem Tag auf den anderen zu verlassen? Wer wird jetzt die Felder bestellen? Wie sollen die Weißen reagieren? Aus ihrer Perspektive beschreibt Kelley die Auswirkungen des kollektiven Auszugs. Liberale Stimmen treffen auf rassistische Traditionalisten. Es scheint eine Frage der Zeit, bis sich das toxische Gemisch aus Wut, Verzweiflung und Hilflosigkeit entlädt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.11.2019

Rezensentin Susanne Messmer hält William Melvin Kelley für "einen weiteren vergessen Großen der afroamerikanischen Literatur", weshalb sie froh ist, dass sein Debüt von 1962 nun endlich auf Deutsch erschienen ist. Da im Roman plötzlich alle Schwarzen einen - fiktiven - Bundesstaat im Süden der USA verlassen, hält sie das Buch zunächst für eine Utopie, aber die Gesellschaftsanalyse reicht weit tiefer, versichert sie. Konsequent erfahre man die Geschichte nämlich aus der Perspektive der Weißen, wodurch deutlich werde, wie den Schwarzen eine eigene Stimme verwehrt wird. Außerdem fokussiere sich Kelley auf einen Afroamerikaner und einen Weißen, deren Schicksale sich schon lange vor dem Auszug der Schwarzen verschlungen haben, und lasse damit die Geschichte der Sklaverei einfließen. Ein "streng komponiertes", in seiner Kürze sehr kraftvolles Buch, verspricht die Kritikerin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.10.2019

Samir Sellami preist diesen erstmals auf Deutsch erscheinenden Roman von 1957 in den höchsten Tönen. Der junge, gerade mal 24-jährige William Melvin Kelley erzählt darin vom plötzlichen Auszug der schwarzen Bevölkerung aus einem fiktiven, namenlosen Bundesstaat im amerikanischen Süden. Der Farmer Tucker Caliban verteilt vor seiner Flucht in den Norden sogar noch zehn Tonnen Salz auf den Feldern, doch die verbliebenen Weißen können sich keinen Reim darauf machen: Ist es Wahnsinn oder Verzweiflung? Für den Clou des Buches hält Sellami Kelleys raffinierten Kunstgriff, nicht nur aus der Sicht von Weißen zu schreiben, sondern aus der Sicht wohlmeinender Weißen. So dringe die Ideologie weißer Vorherrschaft noch viel böser durch.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.10.2019

Rezensentin Sylvia Staude freut sich, dass William Melvin Kelleys Roman wiederentdeckt wurde, denn ihrer Meinung nach hat der Autor hier eine fabelhafte Idee ausfantasiert: 1957 verlassen alle Schwarzen einen fiktiven Bundesstaat im Süden der USA und protestieren damit gewaltlos dagegen, dass die Strukturen des Lebens dort auf Sklavenarbeit beruhen, so die Kritikerin. Die Meinungen, die unter den verbliebenen Weißen kursieren, spiegeln fast visionär die aktuelle Diskussion um Migranten, findet die beeindruckte Kritikerin.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2019

Rezensentin Angela Schader kann es nicht fassen, dass sie bisher noch nichts von William Melvin Kelley gehört hat. Glücklicherweise ist zumindest Kelleys Debütroman von 1962 nun von Dirk van Gunsteren ins Deutsche übersetzt worden. Von der Geschichte um den schwarzen Farmer Tucker Caliban, der Pferd und Kuh erschießt und sein Haus in Brand steckt, um dann mit Frau und Kind das Südstaaten-Kaff zu verlassen, in dem er lebte und arbeitete, wird Schader sofort in den Bann gezogen: Tucker, eine Figur von "biblischer Wucht", wie die Rezensentin meint, lernt sie innerhalb von drei Tagen nur aus der Perspektive der weißen Dorfbewohner kennen. Dabei gelinge es Kelley, Erwartungen zu unterlaufen und "gewohnte Denkschemata" zu hinterfragen, lobt die Kritikerin. Und wenn der Autor ganz unaufgeregt schildert, wie Tucker schließlich immer mehr Afroamerikaner folgen, bis der Staat ein Drittel seiner Einwohner verliert und dabei erst zum Schluss des Romans die ganze Abgründigkeit seiner Geschichte entfaltet, erkennt Schader die große Kunst des Autors.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 21.09.2019

Maike Albath lobt William Melvin Kelleys Roman von 1962 für seine Kraft und das Verdienst, den Leser zum Nachdenken anzuregen über Sprache als Weltaneignungsmittel, Rassismen und das Verhältnis von Sprache und Gesellschaft. Überdies findet sie die Geschichte um einen Exodus der schwarzen Bevölkerung von Sutton bei Tennessee 1957 "aus weißer Sicht" verblüffend, spannungsgeladen und schlau in der Komposition. Die nun mögliche Wiederentdeckung des Autors hält Albath für lohnend. Dass die Verwendung des N-Wortes im Buch ohne Erläuterung bleibt, findet sie bedauerlich.