William Clark, Meriwether Lewis

Tagebuch der ersten Expedition zu den Quellen des Missouri, sodann über die Rocky Mountains zur Mündung des Columbia in den Pazifik und zurück

vollbracht in den Jahren 1804 - 1806
Zweitausendeins Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783861506195
Gebunden, 656 Seiten, 40,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Friedhelm Rathjen. Für Arno Schmidt war es "eine der großen Reisen der Menschheit", für die jungen USA wurde sie zu einem der wichtigsten und folgenreichsten Ereignisse ihrer Geschichte. Im März 1803 hatte Präsident Jefferson Frankreich das riesige Gebiet zwischen Mississippi und Rocky Mountains für 15 Millionen Dollar abgekauft (und damit das US-Hoheitsgebiet mehr als verdoppelt), nun sollte das unbekannte Terrain erforscht werden. Mit der Expedition wurden die beiden Offiziere Meriwether Lewis und William Clark betraut, die im Mai 1804 mit einem Trupp entschlossener Männer zu ihrer abenteuerlichen Fahrt auf dem Missouri aufbrachen. Sorgfältig notierten sie, was für künftige Kolonisatoren, Händler und Siedler von Bedeutung sein konnte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.05.2004

Drolliges Abenteuerbuch von orthographisch Unkundigen? Oder "bedeutendes Dokument des amerikanischen Nationalbewusstseins"? Beides, stellt Hannelore Schlaffer zu den Tagebüchern der Captains Merwether Lewis und William Clark fest, die 1804 aufbrachen, um die soeben den Franzosen abgehandelten Gebiete zu erschließen und damit im amerikanischen Bewusstsein zu verankern. Was sich allerdings als ein wenig schwierig herausstellte: Zwar erwiesen sich die beiden als patente Reisende, auch konnten sie auf einige dramatische Begebenheiten zurückblicken, als Autoren allerdings waren sie schlechterdings kaum zu gebrauchen, weshalb ihr Text, der hier von den originalen 13 Bänden auf ein handliches Format zurechtgestutzt wurde, von Fehlern nur so wimmelt. Das komische Talent des Übersetzers, der nun auch die deutschen Wörter falsch schreibt, bleibt dabei aber", hält die Rezensentin fest, "weit hinter dem Übermut der Unwissenheit zurück, die Clark die Feder lenkt." Zudem vermögen sie natürlich heute, da jeder von uns mit Abenteuerfilmen aufgewachsen ist, nicht mehr dasselbe Staunen über die Strapazen in der Wildnis hervorrufen wie beim zeitgenössischen Leser, dessen Brust bei der Lektüre vor Nationalstolz anschwoll. Dennoch liegt jetzt immerhin, informiert Schlaffer, ein Lieblingstext Arno Schmidts auf Deutsch vor, der den Reiseberichten homerische Größe zuschrieb. Wovon die Rezensentin nicht ganz überzeugt ist.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.04.2004

So abenteuerlich wie die Erlebnisse der beiden Männer Lewis und Clark ist auch die Editionsgeschichte ihrer Tagebücher, weiß Rolf Vollmann. Einige bearbeitete, "fast verfälschte" Versionen habe es gegeben, beispielsweise von Arno Schmidt. Aber erst die nun erschienene Übersetzung Friedhelm Rathjens verleihe den Aufzeichnungen die richtige Form. Die Tagebucheinträge über die Reise von dreißig Männern zu den Quellen des Missouri findet der Rezensent einfach "bezaubernd", obwohl die Anführer Lewis und Clark "außerordentlich schwach in Orthografie und Grammatik" gewesen seien. Dennoch erhalte der Leser "bei aller Kargheit" der Sprache ein beeindruckendes Bild vom Land der Grizzlybären und Indianer. Denn der Übersetzer präsentiere den Text so, dass der "Blick und die Intelligenz" der Autoren "klar durchscheinen". So klar, dass man deutlich spüren könne, welch "großartige Typen" auf Reisen geschickt worden seien. Ein Extralob gibt es für die Beigaben zum Tagebuchtext - ein "meisterlicher" Essay Rathjens, ein "sehr schönes" Lexikon und eine "wunderschöne" Karte, auf der jeder heute noch die Route der Entdecker nachträumen kann.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2004

Zunächst erklärt Rezensent Stefan Fischer, was es mit diesem Tagebuch überhaupt auf sich hat. Thomas Jefferson hatte Meriwether Lewis beauftragt, am Missouri und am Columbia River entlang zum Pazifik zu gelangen, und damit auch "praktisch" das Land zu erfassen, das die Vereinigten Staaten kurz zuvor auf dem Papier erworben hatten. Doch man soll sich darunter keine Expedition vorstellen, wie man sie heute unternehmen würde, schreibt Fischer. Die Männer waren ganz auf sich allein gestellt, lebten etwa von der Jagd, und dementsprechend sei auch die "Gewichtung" der Einträge, die gerne auch mal Listen erlegter Tiere enthalten. Doch in ihrem "durchweg lapidaren" Charakter hat der Rezensent auch Unterschiede festgestellt: Während Clark eher den "Telegrammstil" pflegte, neigte Lewis eher zu "ganzen Sätzen", in denen ab und an auch Landschaftsbeschreibungen und "grundsätzliche Einschätzungen" zu finden sind. Zweihundert Jahre nach dem Beginn der Expedition, so der Rezensent, erscheint nun erstmals eine Auswahl der Tagebücher in deutscher Sprache, herausgegeben und übersetzt von Friedhelm Rathjen. Das Besondere daran, so Fischer, ist einerseits, dass es sich um eine "limitierte und nummerierte" Ausgabe handelt, und andererseits, dass Rathjen in seiner Übersetzung die "abenteuerliche" Schreibweise der Reisenden übernimmt: Aus "samon" wird "Lacks", aus "worm day", "wurmer Tag".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.02.2004

Freudig nimmt Rezensent Jan Süselbeck diese Tagebücher auf, die von der ersten großen Expedition 1804 bis 1806 durch den nordamerikanischen Kontinent berichten, auch wenn das Vergnügen für den Rezensenten ein zweischneidiges war. Der Erfolg dieser glimpflich verlaufenen Mission, berichtet er, begründete den amerikanischen Mythos der friedlichen Landnahme, barg aber gleichzeitig auch den "Ursprung von Krieg, Ausrottung und Gewalt" in sich. So vermerken große Teile der Berichte die Ergebnisse von "Landvermessungen und Erkundungen", Aufzählungen von "Proviantverlusten und Jagderträgen". Doch gerade die Lakonie der Protokolle, ihre nüchternen Notate findet Süselbeck besonders anregend, die bibliophile Gestaltung des Buches - inklusive Reproduktionen der Originalkarten - gefällt ihm sehr. Allein die absolut wort- und fehlergetreue Übersetzung hält der Rezensent für keine gute Entscheidung, doch tut auch dies seiner Begeisterung keinen großen Abbruch. Wie er schließlich noch erzählt, konnte sich bereits Arno Schmidt an diesen Tagebüchern berauschen, deren "permanentes Gemisch aus Windespfeifen und Grasgewischel" Schmidt "nicht mehr missen" mochte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.02.2004

Ausführlich dokumentiert Rezensent Jürgen Brocan die Entstehungsgeschichte dieses wahrhaft abenteuerlichen Tagebuches: die zwei ehemaligen Armeeoffiziere Lewis und Clark erhielten von Präsident Thomas Jefferson den Auftrag, den westlichen Teil Nordamerikas zu erkunden, das von den Franzosen Louisiana genannte Gebiet, das die Vereinigten Staaten ihnen 1803 abgekauft hatten. Beinahe zwei Jahre war die Expedition zu den Quellen des Missouri unterwegs und brachte eine Fülle an geologischen, ethnografischen, botanischen Daten mit; die Ironie dieser Geschichte war, so Brocan, dass die Entdeckungsreisenden alles andere als Schriftgelehrte waren und Mühe hatten, ihr Datenmaterial aufzubereiten, so dass sie die Aufgabe schließlich an einen Literaten übertrugen, der eine Auswahl traf, die wiederum James Fenimore Cooper und Edgar Allan Poe inspirierte. Die unredigierte Fassung erschien erst vor kurzem in den Staaten. Der deutsche Herausgeber und Übersetzer Friedhelm Rathjen hat nach Meinung des Rezensenten eine Glanzleistung vollbracht, indem er das unbeholfene, stilblütenreiche Amerikanisch grandios übertragen und dabei dessen Charakter habe bewahren können, lobt Brocan. So sei dieser Bericht mehr komisch als spannend und zugleich ein Stück amerikanischer Entdeckungsgeschichte.
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