Will Self

Die Quantitätstheorie des Irrsinns

Erzählungen
Cover: Die Quantitätstheorie des Irrsinns
Luchterhand Literaturverlag, Hamburg 1999
ISBN 9783630870403
gebunden, 315 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Klaus Berr. Das Personal dieser Geschichten läuft sich immer wieder über den Weg. Souverän springt der Autor zwischen verschiedenen Zeiten und sozialen Milieus hin und her, nimmt den akademischen Betrieb, die Psychiatrieforschung, Wirtschaft und Politik aufs Korn und zeigt inmitten aller Komik, wie wenig der Mensch Herr seiner selbst ist.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.03.2000

Zeitgleich, aber in unterschiedlichen Verlagen, erscheinen zwei Bände mit Erzählungen des britischen Autors Will Self, der das Thema Drogen und Psychosen äußerst erfolgreich bearbeitet hat. Jan Bürger weist in seiner Doppelbesprechung darauf hin, daß einem guten Buch nicht automatisch ein gutes zweites folgen muß.
1) Will Self: "Die Quantitätstheorie des Irrsinns"
Jan Bürger beginnt seine Besprechung mit dem von Klaus Berr kongenial übersetzten Erzählungsband, dessen titelgebende Erzählung er als Herzstück und inhaltliche Klammer der Sammlung begreift. Selfs Stil findet er sarkastisch, drastisch und bewußt Ekel evozierend, seine Sprache sei manieriert, mit Slang durchsetzt, von Klischees getränkt. Daß Self als britischer Gegenpart zu Bret Easton Ellis gehandelt werde, sei zwar kein Zufall, meint Bürger, aber Ellis` betont an der Oberfläche treibender Stil könne Selfs analytischen Fähigkeiten nicht standhalten: Präzise und nüchterne Beobachtungen aus der Welt der Psychosen, die nahtlos in die Normalität übergeht. "Selten wird die Grenze zwischen Krankheit und Normalität so sarkastisch vermessen wie hier", schreibt Bürger.
2) Will Self: "Das Ende der Beziehung"
Im Englischen heißt dieser Band "Grey Area" und das klingt weniger "hausbacken", bemerkt Jan Bürger spitz , aber das ist nicht das einzige, was ihn an diesem nachgeschobenen Band mit Prosatexten stört. Die darin versammelten Skizzen und Geschichten sind zum Teil Auftragsarbeiten und "wirken wie dürftige Selbstplagiate", meint Bürger enttäuscht. Eine Ausnahme macht für ihn allein die Erzählung "Maß", die als Drogengroteske "eine ähnliche Intensität" aufweist wie die frühen, in "Die Quantitätstheorie des Irrsinns" versammelten Erzählungen. Man lese besser nur diese, empfiehlt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.10.1999

Christiane Kühl weist zunächst darauf hin, dass es sich hier um Will Selfs ersten Band mit Erzählungen handelt, der bereits 1991 in London erschienen ist und ihm damals zu rascher Berühmtheit verholfen hat. Das Buch selbst bespricht die Rezensentin mit spürbarer Sympathie. Selfs Geschichten "aus dem pittoresken Vorgarten der Psychiatrie" verbindet ihrer Ansicht nach eine "große Verlorenheit". Ihr gefällt die Einfühlsamkeit, mit der Self beschreibt, wie sich im Leben ganz, ganz schleichend etwas verändern kann, wie nach und nach der Faden, der die Verbindung zur realen Welt aufrecht erhält, immer dünner wird und irgendwann zerreißt. Dabei sei es Selfs Stärke, "Realität als etwas Relatives zu beschreiben". Sie weist auch auf komische Seiten dieser Erzählungen hin, etwas da, wo Self "lustig alle Wissenschaft auseinander" nimmt oder klaustrophobische Anwandlungen beim Leser auslöst, indem er "einige derangierte Figuren" plötzlich auch durch andere Erzählungen geistern lässt.
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