Mit einem Nachwort von Jochen Missfeldt. Als Mitte des 19. Jahrhunderts auf Sylt der Badetourismus einsetzte, war auch Wilhelm Raabe unter den Gästen, um sich hier zu erholen. Sein Aufenthalt inspirierte ihn zu der Erzählung um einen Juristen, der sich bei Wanderungen durch die Dünen und entlang des Strandes den Staub seiner Beamtenexistenz abzuspülen versucht. Bei seinen Streifzügen über die Insel macht er eines Tages eine kuriose Bekanntschaft, den Königlich Preußischen Kreisrichter Löhnefinke. Ängstlich und mit zerrütteten Nerven sucht er Schutz unter den Schirm des Erzählers, weil er nichts so sehr fürchtet wie den Vollmond und dessen Macht über ihn und sein Leben - denn zum Poeten habe er ihn gemacht, "der verruchte deutsche Mond"!
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.09.2021
Rezensent Tilman Spreckelsen rückt nicht wirklich damit heraus, was ihn an Wilhelm Raabes kleinem Text so begeistert, ja erschüttert hat. Der Sylter Mondschein selbst, unter dem sich zwei Beamte im Jahr 1867 treffen, um einander beim Grog aus ihrem Leben zu erzählen, ist es jedenfalls nicht. Die Plastizität der Figuren könnte es sein, noch mehr aber fasziniert Spreckelsen scheinbar der erschütternde Blick auf das Mögliche, Versäumte, das ungelebte Leben, von dem die beiden Philister in den Dünen träumen. Das Nachwort von Jochen Missfeldt informiert den Rezensenten über die Entstehungszeit des Textes im Jahr 1872.
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