Volha Hapeyeva

Samota

Die Einsamkeit wohnte im Zimmer gegenüber.
Cover: Samota
Droschl Verlag, Graz 2024
ISBN 9783990591512
Gebunden, 192 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Belarussischen von Tina Wünschmann und Matthias Göritz. Am Anfang herrscht bohrende Stille, doch das Brodeln hat bereits begonnen. Majas Forschungen über den Ausbruch eines Vulkans geraten ins Stocken. Zeitgleich findet in ihrem Hotel der Kongress zur "Regulation von Tierpopulationen" statt und sinistre Gestalten tummeln sich um sie. - In einer zweiten Zeitebene gerät Sebastian mit dem düsteren Jäger Mészáros aneinander, und es geht um Leben und Tod. - Und die leicht schrullig-überdrehte Helga-Maria scheint eine Mittlerin und Wanderin zwischen den Zeiten zu sein. Wie hängt all das zusammen? Die Figuren in Volha Hapeyevas Roman reisen um den halben Erdball, gehen Beziehungen ein und erkunden die Welt von Tieren, Menschen und Vulkanen. Die beiden Protagonisten Maja und Sebastian stehen dabei dem Bösen in unterschiedlicher Gestalt gegenüber, kämpfen um das eigene Überleben, das von Tieren und das von Werten. Im Zentrum von Samota steht die Empathie und die Frage, warum sie so vielen Menschen fehlt oder abhandengekommen ist.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.10.2024

Einen "anthropologischen Romanessay" bekommt Rezensent Jens Uthoff von der belarussischen Autorin Volha Hapeyeva vorgelegt. Im Zentrum stehen die Vulkanologin Maya und die Tiertherapeutin Helga-Maria, erklärt Uthoff, später kommt noch eine dritte Figur hinzu - Sebastian, der dem "Fin de Siècle" zu enstammen scheint und Liebesbriefe an Helga-Maria schreibt. Von dieser Figurenkonstellation aus begibt sich Hapeyeva auf eine philosophische Erkundungsreise, während der viele Themen angeschnitten werden, so Uthoff. Es geht um "zeitlose, große Menschheitsthemen", wie Einsamkeit, Sinnsuche und um das Verhältnis zwischen Tier und Mensch. Tatsächlich hätte Uthoff thematisch gerne eine etwas klarere Linie gehabt, er wird dafür aber von Hapeyevas Sprache entschädigt, die "poetisch, tief" und "dicht" ist und Uthoff beeindruckt zurücklässt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.07.2024

Die Ortlosigkeit ist ein Thema, das Volha Hapeyeva schon früher beschäftigt hat und auch die Figuren ihres neuen Romans bewegen sich für Rezensent Paul Jandl "frei zwischen den Welten".  Die Handlung stringent nachzuerzählen fällt Jandl schwer, denn der Roman entstehe gänzlich "aus seinen Bildern und Szenen". Die Figurenkonstellationen funktionieren häufig über Gegensätze, so der Kritiker, da gibt es die kühle Vulkanologin Maja, deren Freundin Helga-Maria in ihrer Freizeit Glückskekstexte verfasst und dem Ideal eines allumfassenden harmonischen Zusammenlebens nachhängt. Sie wiederum steht in Gegensatz zu den düsteren Figuren in Hapeyevas Roman, von denen es einige gibt. Jandl schätzt die subtile Surrealität des Textes als "poetisch-parabelhafte Überwölbung" einer krisenhaften Welt - Halt gibt es für die literarischen Nomaden in diesem Buch nicht, aber zumindest ein wenig Hoffnung, schließt der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.03.2024

Rezensent Nico Bleutge braucht eine Weile, bis er in den "Kosmos" von Volha Hapeyevas Roman eingetaucht ist. Dann aber eröffnet sich ihm eine Welt voller "fantastischer Einfälle". Eine gewisse Unschärfe scheint den Text zu prägen, unterschiedliche Orte und Zeiten - eine literarische Strategie, um neue Arten des Schreibens und Sprechens zu verhandeln,  wie der Rezensent vermutet, was den Leser aber doch mit einigen losen Enden der Geschichte zurücklässt, mit unvermittelt auftauchenden Figuren, Reflexionen und Kommentaren. Allerdings: Insgesamt ein "funkelnder" Text über eine hypersensible junge Frau und das Verhältnis von Empathie und emotionaler Kälte, findet Bleutge.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.02.2024

Rezensent Jörg Plath zufolge ist der in Deutschland lebenden, belarussischen Autorin Volha Hapeyeva nicht ganz gelungen, mit diesem Roman das verunsicherte Leben im Exil künstlerisch zu bewältigen: Zu sehr wirkt die Geschichte von zwei Frauen, die in einem japanischen Hotel aufeinandertreffen, auf ihn wie eine bloße Bestandsaufnahme der titelgebenden Einsamkeit. Der zunächst von der namenlosen Icherzählerin, einer Vulkanologin, und der sie sie durch Gespräche und Ausflüge reanimierenden Universitätsdozentin Helga-Maria handelnde Text thematisiert immer wieder auch den Umgang mit Tieren in Japan und Europa, um dann in eine laut Rezensent märchenhaft wirkende Erzählung von einem zart verliebten, Briefe an Helga-Maria richtenden jungen Mann überzugehen. Unmittelbar auf die politischen Geschehnisse in Hapeyevas Heimat zu übertragen, ist das Buch Plath zufolge nicht. Eine überzeugende, die thematisierte Unwirklichkeit durchbrechende Verbindung der aufgerufenen Themen - Sprache, Zeit, Empathie, Identität - stelle es allerdings auch nicht dar.

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