Aus dem Tschechischen von Raija Hauck. In jeder Familie gibt es Geheimnisse. Oder Ereignisse, die das Leben aller Familienmitglieder beeinflussen, obwohl oder vielleicht weil nicht darüber gesprochen wird. Teo, der in einer Welt voller langweiliger Regeln und religiöser Beeinflussung durch eine Sekte aufwächst, wird sich immer mehr von dieser Familie entfernen, in der sich jede(r) einsam und unverstanden durchs Leben schleppt. Irgendwann ist ihm sogar egal, wohin der Vater an jedem Sonntag verschwindet. Kann er das Geheimnis lüften und sich aus seinem persönlichen Abgrund befreien? Hoffentlich ist es nicht zu spät, zu verstehen und zu verzeihen ...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.12.2025
Wie Familien funktionieren, oder eben auch nicht, lernt Rezensent Tilman Spreckelsen von diesem starken Roman. Viktorie Hanišová entwirft ihre Familiengeschichte aus drei Perspektiven: Zunächst folgen wir Sohn Teo, der mit seinen Eltern in Prag aufwächst, bis er auszieht und ein an Genuss orientiertes Leben führt. Anschließend erzählt Hanišová von der Mutter, die den Sohn lange vom Schulbesuch abhält, schließlich vom Vater, der sich immer wieder von der Familie absentiert. Die Perspektivwechsel sorgen dafür, dass keine letztgültigen Wahrheiten existieren in diesem Buch, erklärt Spreckelsen. Trotz einigen schwächeren Passagen vor allem im Teo-Teil, ist der Roman intelligent gebaut und enthält kluge Beobachtungen über Familiendynamiken: über verbindende Rituale, über das Nebeneinander von Liebe und Hass, darüber "wie man mit offenen Augen den anderen verpassen kann". Eine bereichernde, aber auch "abgründige" Lektüre, so das Fazit.
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