Vigdis Hjorth

Die Wahrheiten meiner Mutter

Roman
Cover: Die Wahrheiten meiner Mutter
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2023
ISBN 9783103975123
Gebunden, 400 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs. Johanna ist keine gute Tochter. Um sich zu retten, hat sie die Familie verlassen. Jetzt, dreißig Jahre später, ist sie wieder zu Hause. Sie sucht Nähe, sie will den Kontakt zur Mutter erzwingen, doch die verweigert sich kühl jeder Annäherung. Heimgesucht von den Erinnerungen an die Kindheit zieht Johanna sich in eine einsame Hütte am Fjord zurück, wo es an ihr ist, die Verhältnisse zu ordnen und sich aus den familiären Zwängen zu befreien. Vigdis Hjorth erzählt von unseren zerrütteten Beziehungen, von Sehnsucht und Enttäuschung und davon, wie man der Vergangenheit begegnet, ohne sich selbst aufzugeben.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.07.2024

Rezensent Franz Haas findet die Familienstreitigkeit, die um die autofiktionalen Romane von Vigdis Hjorth entbrannt sind, um einiges interessanter als Hjorths Werke zu diesem Thema. In ihrem Roman "Das falsche Wort" bezichtigte die Autorin ihren verstorbenen Vater des Missbrauchs und löste damit einen schriftstellerischen Krieg mit ihrer Schwester aus, die einen Gegenroman veröffentlichte. Wie viel hier autobiografisch und wie viel Fiktion ist, hat Hjorth nie wirklich verraten, so der Kritiker. "Mühsam" findet Haas diesen weiteren Roman, dessen Protagonistin Johanna heißt, Malerin ist und ihren Vater einer Schuld bezichtigt, die aber im ganzen Roman nicht explizit wird. Zwar gibt es im Roman einige "stringente Szenen", die den Kritiker berühren, im Großen und Ganzen ist der Text aber von einer "beachtlichen Ironie- und Witzlosigkeit", schließt der wenig angetane Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 23.11.2023

Im Großen und Ganzen liest Rezensent Enno Stahl diesen Roman der norwegischen Schriftstellerin Vigdis Hjorth mit Gewinn. Erzählt wird die Geschichte einer Tochter, die Mann, Juristen-Karriere und Eltern einst zurückließ, um als Malerin in die USA zu gehen. Nun muss sie wegen einer Retrospektive zurück nach Norwegen, der Trip gerät aber vor allem zu obsessiven Beschäftigung mit der Mutter, die ebenfalls wie der längst verstorbene Vater den Kontakt zur Tochter abgebrochen hatte, resümiert der Kritiker. Erinnerungen an traumatische Kindheitserlebnisse durchziehen den Text ebenso wie die Versuche der Tochter, der Mutter näherzukommen. Davon erzählt Hjorth psychologisch tiefgründig, lebendig, wenngleich ohne "Ecken und Kanten", schließt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.10.2023

Unbedingt zu entdecken gilt es diesen Roman und seine Autorin Vigdis Hjorth, findet Rezensentin Iris Radisch. Das dem gerade in Norwegen grassierenden Trend zum autofiktionalen Schreiben zugeordnete Buch stellt, erfahren wir, eine 60 Jahre alte Frau in den Mittelpunkt, die nach langen Jahren der Abwesenheit nach Norwegen zurückkehrt, um ihre Familiengeschichte aufzuarbeiten. Anfangs ist das etwas zäh, so Radisch, aber es eskaliert dann irgendwann zu einem eindrucksvollen Mutter-Tochter-Showdown, bei dem sich die Autorin ganz auf die Seite der Tochter schlägt. Gerade diese unbedingte Parteilichkeit macht für Radisch den Reiz des Buchs aus.

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