Aus dem Spanischen von Peter Kultzen. Welch schöne Rahmenerzählungen doch Begräbnisse bieten! Vor allem, wenn es sich um Schulfreunde aus der verblichenen Kindheit handelt, mit denen man nachher nicht mehr so viel zu tun haben mochte. So trinkt man schnell noch bei Mama eine mutmachende Flasche Wein, ehe sich in der Kirche, bei Gebeten und dem heimlichen Blick auf die Hinteransicht gealterter, einst heiß begehrter Frauen, der Faden in die Vergangenheit abspult. In jene Zeit, als Franco starb, und Spanien sich aufatmend veränderte, als kleine Jungs den Blick in verbotene erotische Abgründe riskierten, ehe sie zu gaunerhaften Mitverdienern an Spaniens Aufstieg zur einträglichen Touristenhölle heranwuchsen. Sie alle, die hier in Ibiza den Sarg umstehen und nachher ein Glas zu viel auf den Freund erheben, bevölkern diesen Roman, der die verlorene Unschuld der Jugend und eines ganzen Landes erzählt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.06.2019
Rezensent Ralph Hammerthaler lobt die Übersetzung von Peter Kultzen, die Aufmachung des Buches, vor allem aber Vicente Valeros Erzähltalent. Groß erscheint ihm der Roman über die Jahre der "Transicion" auf Ibiza sowohl sprachlich als auch gedanklich und den Aufbau betreffend, obgleich die Rahmengeschichte ihm gar nicht mal originell erscheint. Umso atemberaubender dann die folgenden, in die 70er Jahre zurückweisenden Episoden, die der Autor laut Rezensent ganz unnostalgisch, unsentimental und zeithistorisch sparsam zu fassen vermag, den Blick auf die Entwicklung seiner Figuren gerichtet.
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