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Valentin Groebner

Der Schein der Person

Steckbrief, Ausweis und Kontrolle im Mittelalter
Cover: Der Schein der Person
C. H. Beck Verlag, München 2004
ISBN 9783406522383
Gebunden, 192 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Wie wurden Menschen in den Jahrhunderten vor der Fotografie, vor dem Fingerabdruck und der DNA-Analyse identifiziert? Wie wurden sie beschrieben, damit andere, die sie noch nie gesehen hatten, sie erkennen konnten? "Steckbrief" und "Passport" sind Begriffe des Mittelalters. Von ihrer Geschichte handelt dieses Buch, von Kennzeichen und Portraits, von Papieren und Fälschungen. Die Geschichte des Identifizierens in Europa handelt von Spionen und falschen Fürsten, von der Geschichte der Hautfarben und vom unaufhaltsamen Siegeszug des Ausweises samt seiner Fälschungen: In den Papieren, die uns heute bescheinigen, wer wir sind, steckt das Mittelalter. Im ganz wörtlichen Sinn: Die Geschichte der Identitätspapiere, Personenbeschreibungen und Ausweise führt uns zurück in die Zeit zwischen dem 13. und dem 17. Jahrhundert. Aus Geleitbriefen und Siegeln, Erkennungszeichen und Portraits, zwischen wandernden Handwerksgesellen, Hochstaplern und Zigeunern entwickelten sich jene Aufschreibesysteme, die Name und Identität einer Person amtlich und schwarz auf weiß bescheinigten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.04.2005

Seit 2004 müssen Deutsche bei der Einreise in die USA ihre Fingerabdrücke abgeben. Das habe natürlich mit den Anschlägen vom 11. September zu tun, kombiniert Malte Oberschelp, doch die Lektüre des Buches von Valentin Groebner hat ihn auch darauf aufmerksam gemacht, wie alt das Verlangen und Bemühen der Menschen nach zweifelsfreien Identifikationsmethoden ist. Groebner ist Mediävist und lehrt in Luzern, weiß Oberschelp, der nach der Lektüre dem Verfasser nur beipflichten kann, dass in unseren modernen Identitätspapieren "eine ganze Menge Mittelalter" steckt. Bis ins 8. Jahrhundert zurück verfolgt Groebner die frühen Techniken zur Markierung, Registrierung, Identifizierung, wobei dem Prinzip der zentralen Aufbewahrung einer Zweitausfertigung von Dokumenten eine besondere Bedeutung zukommt: Erst durch Vervielfältigung, so lautt die "überraschende" These Groebners, werde Individualität hergestellt. Solcherlei Erkenntnisse sicherten neben der Materialfülle dem Leser größtes "Lesevergnügen", beteuert Oberschlep. Im Übrigen widerspreche der Autor erfolgreich einer gängigen These der Sozial- und Geschichtswissenschaft, die das Mittelalter bloß als primitive Vorstufe der Moderne ansehe, in dem es nur eine kollektive Identität gegeben habe.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.01.2005

Die Rezensentin Ute Frevert ist beeindruckt davon, wieviel Erkenntnisgewinn, auch im Hinblick auf aktuelle Diskussionen, in dieser Abhandlung über Identitätspapiere im Mittelalter steckt: "Lebendig geschrieben und elegant konzipiert, führt es uns in eine Welt, in der wir dank der kundigen Führung des Autors die Vorzeichen unserer Gegenwart erkennen." Gleichzeitig ist die beschriebene Welt fremd genug, um uns "mit ihrem fremden Kolorit zu bezaubern" - zumal die beschriebenen Verhältnisses nicht trockene Theorie bleiben, sondern mit Anekdotischem angereichert sind. Erzählt werden nämlich auch Geschichten von "raffinierten Täuschungen, Vorspiegelungen, Verwechslungen, Doppelgängern und Betrügern". Für alle, die sich, angeregt von der Lektüre über "personale Identifikationssysteme der Moderne" in verschiedenen politischen Kontexten informieren wollen, empfiehlt Frevert einen Sammelband von John Torpey und Jane Caplan.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.12.2004

Dass der Staat die zentrale Erfassung des Menschen immer weiter perfektioniert, beunruhigt Rezensent Uwe Wesel ungemein. Umso mehr freut er sich über das neue Buch des Historikers Valentin Groebner, der die Geschichte der Ausweis- und Personenkontrolle nachvollzogen und dabei ein wesentliches Faktum ausgemacht hat: eine Lücke in der Identifizierbarkeit bleibt immer. Auf ebenso "elegante wie kluge" Weise verfolge Groebner die papiernen Spuren, die die Verwaltungen seit Beginn des Mittelalters hinterlassen haben. War Anfangs nur der Name wesentliches Kontrollmerkmal, kamen bald auch Beschreibungen der Kleidung, Haar- und Hautfarbe, Tätowierungen und Muttermale hinzu. Interessant findet der Rezensent dabei nicht nur die Anmerkungen des Autors, aus denen hervorgeht, wie viele junge Historiker sich diesem bisher unbeachteten Thema neuerdings widmen, sondern die "Gelehrsamkeit" Groebners, die das "Unkonventionelle" einschließe. Der Autor gehört für Wesel zu der "angenehmen Art" von Wissenschaftlern, die auf einen "ausgetrockneten" Stil verzichten, manchmal ein wenig "zu geistreich" sind, aber auch "zehnmal mehr anregen" als die meisten deutschen Geisteswissenschaftler.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.10.2004

Trotz einiger kritischer Anmerkungen zeigt sich Rezensent Hans-Herbert Räkel durchaus angetan von Valentin Groebners Untersuchung über Praktiken der Identifizierung von Personen im Mittelalter, die sich in modernen Maßnahmen zur standardisierten Identifizierung bürgerlicher Subjekte, etwa im heutigen Reisepass, wiederfinden. Räkel lobt die Sachkenntnis des Autors, die mit vielen Beispielen und Zeugnissen unter Beweis gestellt werde. Problematisch erscheint ihm allerdings das unklare Verhältnis von Geschichten und Geschichte in diesem Buch. Die Geschichten, die Groebner von der zunehmenden Kontrolle, Erfassung und bürokratischen Verwaltung erzählt, verdanken ihre Existenz nach Einschätzung Räkels nämlich stets einer "mehr oder weniger ausgeprägten Analogie" mit "heutigen Phänomen". Dadurch büßten sie zugleich eine große Portion ihrer eigenen Historizität ein. Zudem moniert der Rezensent, dass die Kohärenz des Buches nicht durch Reflexion, sondern durch die "Geste des Umherblickens" geschaffen werde. Damit gewährleiste Groebner zwar eine gute Lesbarkeit, "wenn nicht gar eine gewisse Kurzweiligkeit". Die Zusammenhänge aber, die der Autor dauernd herstellt, findet Räkel "nicht so zwingend", "dass man nicht einfach irgendwo einsteigen könnte."
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Valentin Groebner, geboren 1962 in Wien, hat in Wien, Marburg und Hamburg studiert. 1991 in Bielefeld promoviert, war er Assistent am Historischen Seminar der Universität Basel und hat sich 1998 ... mehr lesen
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