An die Stelle von Büchern oder Aufsätzen tritt im Spätwerk des Kunst- und Kulturhistorikers Aby Warburg seit 1925 zunehmend eine sehr spezielle Publikationsform: seine so berühmten wie bislang unerforschten Bilderreihen und Ausstellungen. Meist vortragsbegleitend eingesetzt, konnte Warburg mit der eigentümlichen Argumentationsweise montierter Fotografien das Experiment eines nicht länger linearen Darstellungsansatzes wagen, konnte seine Vorstellungen komplexer kunsthistorischer Austauschprozesse im Medium nicht weniger komplexer Bildertafeln anschaulich machen. Der vorliegenden Edition ist es gelungen, dreizehn dieser Bildpräsentationen aus den überlieferten Quellen heraus zu rekonstruieren, ihren Ausstellungsbestand von Hunderten von Einzelreproduktionen zu identifizieren. Jede der so edierten Bilderreihen und Ausstellungen wurde mit einer ausführlichen wissenschaftlichen Einleitung versehen.
Roberto Ohrt begrüßt diesen Bildband, der jetzt in der Reihe der Gesammelten Schriften des Hamburger Kunst- und Kulturwissenschaftlers Aby Warburg (1866-1929) erschienen ist. Der hohe Preis des Werks (248 Euro) verwundert ihn ein wenig, da in die Forschung an dieser Publikation viele Gelder geflossen sind. Die Investition zahlt sich nach Ohrt aber aus, denn der Band bietet mit seiner ausführlichen Präsentation von Warburgs Bilderreihen einen "nicht unwesentlichen Teil des Archivs" fürs heimische Regal. Diese Bilderreihen, die komplexes kunsthistorisches Wissen in einer bildhaften Präsentation umfassen und als Vorarbeiten für Warburgs Hauptwerk betrachtet werden können, dienten dem Kunstgeschichtler als Grundlage für seine oft mehrstündigen Vorträge. Zum Bedauern des Rezensenten finden sich in dem Band nur zwei dieser Vorträge und zwar gerade solche, die bereits publiziert sind. Er kritisiert zudem, dass die Herausgeber aus Warburgs begleitenden Notizen nur zitieren, anstatt diese selbst transkribiert vorzustellen. Insofern ist Ohrts Freude über diese Edition ein wenig getrübt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.05.2012
Genau zum richtigen Zeitpunkt kommt für Julia Voss dieser Band, der die in den letzten vier Lebensjahren vom Kunsthistoriker Aby Warburg konzipierten und kuratierten Ausstellungen zwischen 1925 und 1929 rekonstruiert. Die Ausstellungen des nicht zuletzt für die zeitgenössische Kunst durch seine Kunsttheorien populären Privatgelehrten werden in diesem Band nämlich erstmals systematisch dokumentiert, was für die Rezensentin als "editorisches Meisterstück" gewürdigt wird. Weniger ansprechend findet Voss, dass die Herausgeber sich mitunter bemüßigt fühlten, Warburgs "biologistische" Terminologie postmodern aufzupeppen, denn hier spürt die Rezensentin ein Bemühen, auch den heute allgemein verworfenen Theorien, wie beispielsweise der vom "Psycholamarckismus", ein zeitgenössisches Gewand zu geben. Davon abgesehen aber lobt sie den Band enthusiastisch als große editorische Leistung und als kenntnisreichen Wegweiser durch das "weitverzweigte Gedankengebäude" des großen Kunsthistorikers.
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