Aus dem Amerikanischen von Karen Nölle. Fünfundzwanzig Geschichten aus vier Jahrzehnten. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat Ursula K. Le Guin das Genre der Science Fiction so tiefgreifend beeinflusst wie sonst kaum jemand. Sie hat ökologische und feministische Themen eingebracht und durch ihren unverwechselbaren Stil und mit ihrer unbegrenzten Imaginationskraft zahlreiche Autor:innen beeinflusst. Viele der hier neu übersetzten Geschichten waren noch nie oder sind schon seit langem nicht mehr auf Deutsch erhältlich. Der vorliegende Band ist ein einzigartiger Zugang zum Werk einer der größten amerikanischen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts.
In fünf Kapiteln entwirft Rezensent Tobias Lehmkuhl Perspektiven auf die 25 klassischen Science-Fiction-Geschichten Ursula K. Le Guins, die dieser Brocken von einem Buch versammelt. Es beginnt mit der Musik, die in vielen Geschichten Le Guins eine Rolle spielt, teils als allgegenwärtige Sphärenmusik, was mit den 1960ern Jahren und deren Begeisterung für Bewusstseinserweiterung, auch durch Drogen, zu tun hat. Es folgt ein Abschnitt über Missverständnisse, von denen Le Guin ebenfalls immer wieder erzählt. Das wiederum verweist, glaubt Lehmkuhl, auf eine gründlich erforschte Welt, weshalb neue Unsicherheiten in der Begegnung mit dem Anderen nur noch als Science Fiction imaginiert werden können. Weiter geht es mit Sprache, die bei Le Guin stets mehr ist als nur ein Verständigungsmedium. Wenn Le Guin über Männer und Frauen schreibt, heißt es im vierten Kapitel der Besprechung, widersetzt sie sich oft binären Ordnungen - lange bevor Gender im akademischen Betrieb zum Thema wurde. Auch Seinsfragen werden von Le Guin auf originelle Weise gestellt - Wirklichkeit ist ihr zufolge eine Frage des Konsenses, erklärt der Kritiker. Insgesamt begegnet der Rezensent in den Texten einer Autorin, die nicht von der Erde zu den Sternen hinauf blickt, sondern eine kosmische Perspektive auf Irdisches entwirft. Auch heute noch scheint man das alles mit viel Gewinn lesen zu können.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 02.01.2026
Rezensentin Sylvia Staude liest die Science-Fiction-Storys von Ursula K. Le Guin aus den Jahren 1967 bis 1996 in der Übersetzung von Karen Nölle mit Spannung. Die Wiederentdeckung der laut Staude nicht selten mit feministischen Versuchsanordnungen arbeitenden Autorin ist bereits im Gange, meint sie. Die vorliegende Sammlung erscheint Staude für Einsteiger geeignet, das sie eine Vielfalt an Themen und Gedanken verhandelt, etwa aufständische Ameisen, die Erforschung fremder Planeten, lesbische Liebe oder auch eine Gesellschaft, in der es den Frauen besser ergeht als den Männern. Besonders bemerkenswert findet Staude den radikalen, immer wieder auch lustigen weiblichen Blick in den Geschichten.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Karl Ove Knausgard: Arendal Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Wo ist dein Platz im Leben? Wohin gehörst du? Wo liegen deine wahren Gefühle?Wir schreiben das Jahr 1976. Syvert Løyning ist nach einer…