Das Leben der Madame Blavatsky ist von zahlreichen Legenden umrankt. Bis heute wird die Begründerin der Theosophie von ihren Verehrern gefeiert, von den Gegnern indes als Betrügerin und Scharlatanin verteufelt. Sie bereiste die entlegensten Winkel des Globus, gründete eine spirituelle Bewegung, inszenierte sich als Trägerin okkulten Urwissens und galt als "Sphinx des 19. Jahrhunderts". Nichts weniger als den Schlüssel zur Erklärung aller Welträtsel beanspruchte sie mit ihrer Lehre gefunden zu haben, die sie in ihren Hauptwerken "Isis entschleiert" (1877) und "Die Geheimlehre" (1888) darlegte. Ihre Philosophie bildete die Grundlage für Rudolf Steiners anthroposophische Lehre. Auch auf bedeutende Künstler hatten Blavatskys Ideen großen Einfluss, u. a. auf Hermann Hesse, James Joyce, T. S. Eliot, William Butler Yeats, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Paul Gauguin, Gustav Mahler und Jean Sibelius.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2013
Die Theosophin und Abenteuerin Madame Blavatsky jedenfalls lebt weiter, bei Däniken, Dornach und anderen, weiß Diethard Sawicki, der mit dieser Biografie von Ursula Keller und Natalja Sharandak ganz und gar nicht glücklich ist. Dazu fehlen dem Rezensenten neben einem umfangreicheren Anmerkungsapparat und einer gewissenhafteren Quellenauswertung und -auflistung vor allem Neuigkeiten. Was die Autorinnen zusammenstellen, geht laut Sawicki nämlich nicht über bereits Publiziertes beziehungsweise bloß andeutungshaft Raunendes oder Skurriles hinaus. Dass Blavatskys religiöse Sozialisierung im Russland der 1840er Jahre in diesem Buch immerhin "schattenhaft" sichtbar wird, genügt Sawicki nicht. Ihm kommt es vor, als hätten die Autorinnen ihre esoterische Heldin nicht sehr ernst genommen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.08.2013
Eines ist sicher: Rezensent Oliver Pfohlmann kann das revolutionäre Potential in der Biografie der ominösen Madame Blavatsky spüren, so wie sie die Autorinnen Ursula Keller und Natalja Sharandak so fern von Legenden, Stilisierungen und Fiktionen und so kritisch es eben geht, wie Pfohlmann anerkennend erklärt, darstellen. Ein leichtes Gefühl des Mangels vermag der Rezensent dennoch nicht zu unterdrücken, wenn er über Astralpost und fliegende Möbel lesen muss und die vielen biografischen Leerstellen bemerkt, die sich hier ergeben. Esoteriker, so meint Pfohlmann etwas säuerlich, wird das Buch jedenfalls nicht verärgern.
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