In Berlin wird viel umgezogen. In Berlin begegnet man immer anderen Nachbarn, Menschen i n einem Haus, mit denen man ein geheimes Alltagswissen teilt. Man kennt sich nicht und kennt sich doch genau ? Nachbarn sind ideale Projektionsflächen für geheime Sehnsüchte und wirkliche Ängste; die allein erziehende Mutter, ein Lebenskünstler, ein schwerer Alkoholiker, ein todtrauriger Professor, ein Waffenkenner. Die Ich-Erzählerin schildert ihre wirklichen oder imaginären Erlebnisse mit ihnen. Sie beschreibt ihre Rauschzustände und die Pausen dazwischen, erzählt das Leben einer Frau, das aus stürmischen Höhepunkten und Tiefgängen besteht. Gleichzeitig ist "Unter Nachbarn" auch eine Reise durch das Berlin der letzten zwanzig Jahre.
Die Kunst der Biografin, den eigenen "Bauchnabel" nicht für den Nabel der Welt zu halten, entdeckt die Rezensentin Ursula März in Unda Hörners Roman "Unter Nachbarn". Keine prätentiöse Nabelschau, sondern das "Interesse an anderen Menschen" zeichnet das Buch der Autorin, die als "Verfasserin von Biografien und biografischen Essays begonnen hat", nach Meinung der Rezensentin aus. Somit für März alles andere als der Typ der überall medienpräsenten `neuen deutschen Schriftstellerin`, zumal "Unda Hörner (...) wirklich schreiben kann". Eine Rezension, die ebenso unprätentiös in wenigen Worten einer großen Bewunderung für die Kunst der leisen Alltagsbeobachtung Ausdruck gibt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.01.2001
Alliterationen ziehen immer, sagt sich die SZ: "Wand an Wand mit Wunderlichen und Widerlingen" wird da der Erstlingsroman der Autorin angekündigt. Und Stephan Reinhardt ist schon ganz gespannt auf das, was der frischen Feder noch alles entfließen wird in Zukunft. Allein Reinhardts Freude über das Buch ist doch eher verhalten, konstatierend: Wie eine Versuchsreihe über Wohnen, Umziehen und Nachbarschaft inszeniere Unda Hörner ihren Debütroman, schreibt er, und erkennt bei ihr einen "besonderen Blick für das Alltägliche wie für das Bizarre" und eine Fähigkeit zur scharfen Kontur, was die Figuren betrifft. Von "emotionalem Reichtum" in der Gestaltung der Themen und Motive weiß der Rezensent zu berichten und von einer facettenreichen Tonlage, allerdings auch von dem einen oder anderen Klischee. Am Ende der Besprechung ist man nicht ganz sicher, ob er der Autorin das erwartete Neue auch wirklich zutraut.
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