Der Angriff Russlands auf die Ukraine am 24. Februar 2022 hat die EU und Deutschland aus einer "gemütlich" eingerichteten Welt gerissen. Was als "Zeitenwende" bezeichnet worden ist, zwingt zu einer Neubewertung der politischen Agenda nach innen und nach außen: Den Angriffen auf die offene Gesellschaft und der Krise der Demokratie zu begegnen ist dringlicher geworden. Udo Di Fabios Buch legt dar, dass der EU und Deutschland unter der Regierung Trumps nur die Rolle des Statisten bleibt, wenn sie es nicht schaffen, ihre Leistungsfähigkeit und Wirtschaftskraft auch in politische und auch militärische Macht zu verwandeln.
Ex-Verfassungsrichter Udo di Fabio macht sich Sorgen um unsere Gegenwart, die ohne klare Weltordnung auskommen muss, stellt Rezensent Arno Orzessek fest: Er hat eine "lose Gedankensammlung" vorgelegt, die ein bisschen an Gesetzbücher mit vielen, vielen Paragraphen erinnert. Nicht alles ist miteinander verbunden, es geht um "agonale" Kämpfe, die nur noch in Freund und Feind unterteilen, um Putins Angriff auf die Ukraine, um Populismus, lesen wir. Di Fabio moniert einander immer verfeindeter gegenüberstehende Lager, denen er sich nicht zuordnen möchte, auch wenn Orzessek ihn klar als Konservativen sieht, der den Nutzen ökonomischer und persönlicher Freiheit betont, die er durch den Staat und seine Regulationen in Gefahr sieht. Der Kritiker kann sich nicht allen Gedanken anschließen, findet aber abschließend, dass der Autor hier wichtige Punkte intelligent anspricht, ohne zu sehr in die Tiefe zu gehen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.02.2026
Rezensent Wolfgang Janisch rät, dem Juristen Udo di Fabio vor allem bei seinen therapeutischen Vorschlägen zum Demokratieerhalt zuzuhören. Bei der Beschreibung der Ursachen für die von Kulturkämpfen geprägte Gegenwart sucht der Autor laut Rezensent dagegen zu sehr die Schuldigen bei der "linksliberalen Elite". Was die Therapie betrifft, so leuchtet Janisch di Fabios Plädoyer zu mehr gesellschaftlichem Mut zur Freiheit (der Entscheidung) allerdings umso mehr ein. Mit ein wenig bildungssprachlicher Vorkenntnis kann der Leser des Buches das ebenfalls gut nachvollziehen, meint Janisch.
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