Torsten Schulz

Nilowsky

Roman
Cover: Nilowsky
Tropen Verlag, Stuttgart 2012
ISBN 9783608939712
Gebunden, 285 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Markus Bäcker ist alles andere als begeistert, als er mit seinen Eltern an den Rand von Berlin zieht. Dort blickt er vom dritten Stock ihres Eckhauses auf ein stinkendes Chemiewerk und vorbeiratternde Züge, die alles zum Vibrieren bringen. Erst als er Nilowsky kennenlernt, wird ihm die Gegend um den Bahndamm zur Heimat. Eine Heimat voller Merkwürdigkeiten und intensiver Erfahrungen. Dazu gehören kuriose Anwendungen von Voodoo-Ritualen, um der Liebe auf die Sprünge zu helfen. Erotische Annäherungen einer Frau, die nicht älter als dreizehn sein will, sowie perfide Vertrauensforderungen von Seiten Nilowskys, die ihn fast das Leben kosten. Abgründe und Höhepunkte des Erwachsenwerdens, die Markus Bäcker ein Leben lang nicht loslassen werden. Mit großer Intensität und viel Humor schildert Torsten Schulz eine eigenartige Dreiecksbeziehung in den Wirren der Pubertät.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.05.2013

Angetan zeigt sich Lea Streisand von Torsten Schulz' neuen Roman. Sie schätzt den bärbeißigen Witz und die Melancholie des Autors, der mit "Boxhagener Platz" ein viel beachtetes Debüt vorgelegt hatte. Berührend erzählt "Nilowsky" für sie von einer Jugendfreundschaft in Ostberlin der beginnenden siebziger Jahre. Besonders die Figur des scheinbar omnipotenten, großmäuligen Reiner Nilowsky, dessen Mutter früh verstorben ist und der von seinem Vater, einem Kneipenbesitzer, regelmäßig verdroschen wird, hat sie beeindruckt. Sie hebt Schulz' sprachlich gekonnten Einsatz des Berliner Lokalkolorits hervor, der auf Kitsch verzichtet und ohne folkloristische Elemente auskommt. Entstanden ist für die Rezensenten ein Buch über die Themen Freundschaft, Liebe und Tod. Und über die "Suche nach einer eigenen Sprache".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.04.2013

Unterhaltsam genug erscheint Anja Hirsch dieser DDR-Enwicklungsroman von Torsten Schulz. An der Sprache liegt es allerdings nicht, die findet Hirsch nicht so aufregend. Eher ist es die Mischung aus Melancholie und Scham, mit deren Hilfe der Autor mit Gespür fürs Szenische DDR-Geschichte um 1976 vergegenwärtigt. Die im Mittelpunkt stehende Blender-Figur eines jungen Schwadroneurs ("attraktiv wie Gift", so Hirsch) und der Erzähler selbst scheinen Hirsch allerdings auch ein Gespann mit Potential zu sein, bei allem Pathos, das laut Hirsch in die Zeichnung der Figuren miteingeflossen ist.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.03.2013

Torsten Schulz hätte etwas weniger Fleiß gut getan, findet Rezensentin Frauke Meyer-Gosau, die sich in der ersten Hälfte des Buches köstlich über eine "Feier verquerer Menschlichkeit unter realsozialistischen Bedingungen" amüsieren konnte, die zweite Hälfte dann aber eher öde fand. Der Roman schreibt das Jahr 1976 und der zunächst vierzehnjährige Ich-Erzähler Markus ist mit seinen Eltern aus dem Prenzlauer Berg an den Berliner Ostrand gezogen, wo der Vater in einem Chemiewerk als leitender Ingenieur eine Stelle ergattert hat, berichtet die Rezensentin. Dort angekommen wird Markus von dem drei Jahre älteren und leicht durchgeknallten Nilowsky unter dessen Fittiche genommen, er bekommt die Gegend um die Bahngleise gezeigt und erklärt, was es mit den Mosambikanern im Werk auf sich hat, häufig gelungen in Berliner Schnauze vorgetragen und verfasst, wie Meyer-Gosau es noch aus "Boxhagener Platz" in guter Erinnerung hat. Erst als Markus wieder in die Stadt zieht flaut der Spaß ab, bedauert die Rezensentin: Fleißpunkte gibt es beim Schreiben keine, meint sie.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.02.2013

Ulrich Seidler freut sich sehr über Torsten Schulz' Entwicklung seit dessen DDR-Groteske "Boxhagener Platz". Was hier noch hauptsächlich bunt und komisch war, ist in seinem neuen Roman "Nilowsky" authentischer geworden, ohne dass allzu viel "Farbigkeit" verloren ginge, berichtet der Rezensent. Nilowsky ist ein Spinner auf hohem Niveau: ein "Detektiv, Hobby-Stasi-Arsch, Verschwörungstheoretiker, Revoluzzer und Rächer", der sich mit allerlei abstrusen Geschichten seine Welt erklärt, fasst Seidler zusammen. Beispielsweise steht für ihn fest, dass mindestens eines der drei Grad Temperaturunterschied zwischen den Berliner Innen- und Außenbezirken von den Mosambikanern importiert wurde und irgendwie mit ihrem Kampf gegen die kolonialen Unterdrücker zusammenhängt. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Markus, einem Fabrikantensohn, dem das "realexistierende bürgerliche Leben" seiner Eltern gegen den Strich geht und der sich Nilowsky zum Vorbild nimmt. Das DDR-Kolorit, das Schulz präsentiert, kommt ohne Nostalgie oder Abrechnungen aus, lobt Seidel, und der Autor liefere eine Parabel über unbewusste Abhängigkeiten, die nicht nur über die DDR nachdenken macht.