Aus dem Amerikanischen von Yvonne Badal. In den vergangenen 150 Jahren wurden von der Entdeckung des Penizillins über die Entschlüsselung der menschlichen DNS bis zum Nachweis des Higgs-Bosons kolossale Fortschritte gemacht. Doch an einer der drängendsten Fragen der Menschheitsgeschichte - Wo liegt der Ursprung der menschlichen Sprache? - scheitert die Wissenschaft bis heute. Das hat, wie Tom Wolfe genüsslich darlegt, führende Forscher von Charles Darwin bis Noam Chomsky jedoch zu keiner Zeit davon abgehalten, grandiose Erfolge zu verkünden, die gar keine waren, Konkurrenten zu diffamieren, anstatt eigene Fehler einzugestehen, und generell des Kaisers neue Kleider in den schillerndsten Farben zu beschreiben. In Das Königreich der Sprache vertritt Wolfe die These, wonach die Sprache die erste kulturelle Leistung des Menschen und somit nicht mit der Evolutiontheorie oder wissenschaftlicher Systematik zu erklären ist.
Durchaus verdienstvoll findet Rezensent Helmut Höge Tom Wolfes Versuch, die beiden Feldforscher Alfred Russel Wallace und Daniel L. Everett in Erinnerung zu rufen. In dem überraschend schmalen Pamphlet des amerikanischen Schriftstellers erfährt er nicht nur, weshalb Wallace an Stelle von Darwin die Urheberschaft an der Evolutionstheorie für sich beanspruchen kann, sondern liest auch, wie es dazu kam, dass Chomsky Everett den Rang als oberster Sprachtheoretiker der USA ablief. Auf Wolfes Versuch, eine eigene Sprachtheorie zu entwickeln, hätte Höge allerdings gern verzichten können.
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