"Helden" erzählt die Geschichte von David Bowies Jahren in Berlin. Wie der größte lebende Rockstar 1976 aus Los Angeles nach Europa heimkehrt, ein Drogenwrack, geplagt von Sinnestäuschungen, Verfolgungswahn und Nazivisionen. Wie er in die Hauptstadt seiner Kindheitsträume zieht, nach Berlin, in die Stadt des deutschen Expressionismus, und langsam gesundet. Wie er mit Iggy Pop in einem Schöneberger Altbau wohnt und wieder zu malen beginnt. Wie er mit dem Fahrrad ins Brücke-Museum fährt, ins Nachtleben der geteilten Stadt, in den Dschungel und zum Anderen Ufer, zu Romy Haag und ins Hansa-Studio. Wie er dort, im Schatten der Mauer, die zwei radikalsten Platten seines Lebens aufnimmt: "Low" und "Heroes".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.05.2009
Widerstandslos ist Rezensent Sven Ahnert Tobis Rüther auf den Spuren der Pop-Ikone David Bowie durch das Berlin der siebziger Jahre gefolgt: Von den Hansa-Studios zum "Exil" und die Hauptstraße entlang zum "Anderen Ufer". Für ausgebrannte Künstler, meint Ahnert, war die Stadt mit ihren schmucklosen Fassaden, den verblassten Mythen genau der richtige Ort, um sie und sich im Retro-Rausch neu zu inszenieren. "Fast benebelt" fühlte sich der Rezensent "von all den Affären und die Anekdoten, die sich um Bowie ranken". Besonders bemerkenswert findet Ahnert auch Bowies Flirt mit der faschistischen Ikonografie. Das alles nimmt er hin, bewerten tut er es nicht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.12.2008
Sehr zweischneidig findet Rezensent Volker Breidecker die Spurensuche Tobias Rüthers zu David Bowies Aufenthalt in Berlin Ende der 70er Jahre. Zwar spricht er ihm das Verdienst zu, nicht nur bekannte Fakten noch einmal zusammengetragen, sondern sich auch über die Begegnung des Sängers mit der Stadt einige Gedanken gemacht zu haben. Jedoch, und das mache das Buch auch "zunehmend nervig und stellenweise ärgerlich zu lesen", erliege der Autor selbst dem Mythos dieser Begegnung, indem er auch zufällige biografische Details mit Bedeutung überfrachte und damit zu ihrer weiteren Mythisierung beitrage. Breidecker mokiert sich dabei ausgiebigst über die provinzielle Herkunft des Autors, die ihm die Berliner Ereignisse glanzvoller erscheinen ließen als sie in Wirklichkeit gewesen seien. Breidecker selbst, der eingangs noch Bowies Wirkung auf Berlin sehr bildhaft schildert, hält es da lieber mit einer, wie er meint, für Berlin typischen Haltung, die "um leibhaftige Prominenz wenig Aufsehen" macht.
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