Von Tina Piazzi und Stefan M. Seydel. Die Unruhe ist evident: Massenmedial, im Umgang mit Information, in der Art und Weise der Wissensproduktion. Mit den rasanten Entwicklungen der Kommunikationstechnologien hat auch die Geschwindigkeit und Radikalität sozialer Veränderungen zugenommen. Diese verstörende wie kreative Unruhe ist das Feld und Interesse von rebell.tv, einer internetbasierten Experimentier-, Entwicklungs- und Kommunikationsplattform im "German-speaking Part of Europe". Im Zentrum der Arbeit stehen Fragen der individuellen und gesellschaftlichen Verantwortung bezüglich der Gestaltung des Zusammenlebens und der persönlichen Freiheit. Mit Band 1 von "Die Form der Unruhe" legt rebell.tv eine erste Werkschau "Vom Buchdruck zum Computer" vor. Das Buch versteht sich als ein "Statement": Die aktuellen Herausforderungen lassen sich nicht mehr nur über herkömmliche Logiken der Wissensproduktion und -distribution oder Konventionen journalistischer Informationsverarbeitung bewältigen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.02.2010
Ralf Konersmann schätzt diesen von Tina Piazzi und Stefan M. Seydel herausgegebenen Band "Die Form der Unruhe", der ein Manifest und zugleich ein Dokument der Arbeit von rebell.tv, einer schweizerischen Internetplattform darstellt. Doch so bierernst wie seinerzeit das futuristische Manifest kommen die Schweizer Rebellen zur Freude des Rezensenten nicht daher. Ob ihre Grundsätze tatsächlich avantgardistisch sind, lässt er erstmal offen, er sieht die Internetplattform rebell.tv eher "Grundsätzen aufgeklärter Bürgerlichkeit" verpflichtet. Aber statt auf Quoten Rücksicht zu nehmen, suchen die Macher von rebell.tv das Gespräch mit der Wissenschaft. Konersmann hebt besonders den Beitrag des Soziologen Dirk Baecker hervor, der den Unruhetypus der Kontroverse als die "Herausforderung der nächsten Gesellschaft" beschreibt. Auf eine Frage scheint ihm die Neo-Avantgarde von rebell.tv allerdings noch keine Antwort gefunden zu haben: "die Frage, zu wem sie spricht".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.01.2010
Da staunt der Rezensent: Nach dem futuristischen Manifest, mit dem Filippo Tommaso Marinetti 1909 den "Avantgardismus" begründete, legen die Macher von rebell.tv, einer Schweizer Internetplattform, nun ein neues avantgardistisches Manifest vor. Allerdings präsentiere es sich weit weniger als ihr furioser Vorgänger als Verbalattacke und komme mit einem Augenzwinkern daher, wie Ralf Konersmann eingenommen feststellt. Interessant erscheint ihm die These, dass einer "Kultur der Kontingenz" eine "Kultur der Kontroverse" folgen wird, wie der Soziologe Dirk Baecker hier darlegt. Einzig die Frage nach dem Adressaten dieses Manifests liegt für den ansonsten faszinierten Rezensenten noch im Dunkeln.
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