Tim Waterstone

Lilley und Chase

Aufstieg und Fall eines Verlagshauses
Cover: Lilley und Chase
Haffmans Verlag, Zürich 2001
ISBN 9783251005093
Gebunden, 413 Seiten, 19,89 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Thomas Stegers. Als Hilary wie aus einer Laune heraus die kurze Liaison mit ihrem ehemaligen Kommilitonen Dan Galetti beichtet, ist sie felsenfest davon überzeugt, daß Sam die Sache als das sehen wird, was sie für Hilary war: eine unbedeutende Episode. Doch Sam Lilley sieht das anders. Es kommt zur Katastrophe, ihre Ehe zerbricht. Die Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit bestimmt alle Lebensgeschichten in diesem facettenreichen Gesellschaftsroman, in dessen Mittelpunkt der Aufstieg und Fall eines Verlagshauses steht - Lilley & Chase.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2002

Mögliche Querverbindungen zwischen dem Konkurs des herausgebenden Haffmans Verlages und diesem "Roman einer ganzen Branche", wie Gerd Haffmans zitiert wird, waren für den Rezensenten Andreas Rosenfelder natürlich naheliegend. Sollte es sich um eine "literarische Selbstanzeige des Verlages", um eine "Verteidigungsschrift" handeln? Auch wenn dem Autor, laut Rosenfelder, zeitweise "eine Erzählkunst der kleinen Skandale und Peinlichkeiten, wie sie aus russischen Gesellschaftsromanen vertraut ist" gelingt, neigt er insgesamt wohl eher dazu, das Buch lediglich als Konkursmasse zu betrachten. Zu oft trete die Erzählung auf der Stelle, dienten die zahlreichen Gerüchte und Nebenfiguren aus der elitären urbanen Gesellschaft nur als "Füllstoff", schreibt er, und auch die Geschichte um Verschwörung und Verrat werde "eher abgespult als entwickelt", Entwicklungen im Beziehungsgeflecht seien dabei vorhersehbar.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.02.2002

Der Roman hat in der Tat etwas Brisantes, wie Uwe Pralle behauptet: erstens stammt er von einem Autor, der zugleich der Begründer der größten englischen Buchhandelskette ist. Zweitens spielt er in der Verlagsbranche und plaudert daher auch intimere Kenntnisse der Szene aus - vorausgesetzt, man kennt sich in der englischen Verlagsbranche aus. Drittens erscheint der Roman in deutscher Übersetzung in einem Verlag, der gerade Konkurs angemeldet hat. Und viertens scheint die Geschichte dem deutschen Verleger auf den Leib geschrieben zu sein - allerdings, wie Pralle bekundet, unter Anwendung von zuviel Küchenpsychologie, was ihm auf Dauer missfällt. Pralle empfindet die Logik der Geschichte, warum sich der im Mittelpunkt des Romans stehende Verleger Lilley seinen Verlag resigniert aus der Hand nehmen lässt, als zu einfach: enttäuschte Liebe. Denn der wahre Verleger betreibt seine Arbeit nicht als Profession, sondern als Passion, beschreibt Pralle den Tenor des Romans. Bedauerlich findet der Rezensent allerdings, dass dieser "Abgesang auf sich selbst" vom deutschen Verlag so schlampig lektoriert wurde.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 31.01.2002

Dieser erste literarische Versuch des 1929 geborenen Briten Tim Waterstone - selbst Gründer einer in England sehr erfolgreichen gleichnamigen Buchhandelskette - über die Verlagsbranche und einige "Nebenschauplätze" ist, urteilt Oliver Fink, "leider weitgehend missglückt". Es geht, berichtet der Rezensent, um die Geschichte des Verlegers Sam Lilley, der nach und nach Frau, Tochter und sein Unternehmen verliert. Wäre der Autor bei dieser Geschichte geblieben, hätte sich Fink für den Roman durchaus begeistern können. Aber stattdessen hat Waterstone diesen Plot mit zahlreichen anderen verwoben, die Fink "fortdauernde Langeweile" bereitet haben. Waterstones Anliegen, einen "veritablen Gesellschaftsroman" zu schreiben, sei ihm misslungen. Dabei habe er durchaus das Zeug zum respektablen Mainstream-Romancier, ein Gespür für Komposition, einen langen Atem und könne erzählen und beschreiben. Aber leider, so Fink, wimmle es hier von Klischees und Elementen einer abgestandenen Unterhaltungsliteratur.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.10.2001

Was der Roman zu sein beabsichtigt, gibt er bereits in seinem Untertitel preis: ein Roman über die Verlagsgeschichte eines renommierten Hauses. So beinhaltet er auch viele Impressionen aus dem Verlagswesen, und schließlich die, wie Christian Döring findet, "magere" Grundeinsicht, dass das deutsche und das englische Verlagswesen sich in allen Irrungen und Wirrungen zum Verwechseln ähnlich sehen. Dieser vermeintliche Schlüsselroman ist aber in Wahrheit gar keiner, stellt Döhring fest. In dem "solide, ruhig und routiniert erzählten Roman" gehe es eher um den persönlichen Aufstieg und Fall von Sam Lilley. Dabei gelinge es dem Autor in seinen besten Kapiteln, menschliche Lebensläufe aus der Londoner Bohème-Bourgeoisie zu einem genau gezeichneten Gesellschaftspanorama zusammenzusetzen, lobt er. Tim Waterstone wollte einen Schlüsselroman schreiben, entstanden sei jedoch ein Verlegerpsychogramm, das, wie Döring hofft, untypisch sei.
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