Tim Parks

Stille

Roman
Cover: Stille
Antje Kunstmann Verlag, München 2006
ISBN 9783888974434
Gebunden, 360 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Ulrike Becker. Harold Cleaver ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Fernsehjournalist. Über sein denkwürdiges Interview mit dem amerikanischen Präsidenten spricht man im ganzen Land, nicht nur in London. Man spricht aber auch über das gerade erschienene Buch seines Sohnes, ein kaum verschlüsselter Roman über seinen Vater: "Im Schatten des Allmächtigen". Und plötzlich ist ihm klar, dass er weg muss. Weg von der medialen Öffentlichkeit, die er so hervorragend bedient und die ihn gleichzeitig beherrscht, weg von seiner langjährigen Lebensgefährtin und den gemeinsamen Kindern. Das Bedürfnis nach Stille ist übermächtig. Wochen später, eingeschneit in einer abgelegenen Hütte, allein und sprachlos, weil er die Sprache der Bauern nicht versteht, die ihn mit Lebensmitteln und Whisky versorgen, muss er feststellen, dass die Stille kein Garant für Ruhe ist und dass nichts so verstörend ist wie die Stimmen im eigenen Kopf.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.03.2007

Missglückt scheint Rezensentin Bernadette Conrad der neue Roman von Tim Parks über einen überaus erfolgreichen Journalisten, der sich nach einem Fernsehinterview mit dem amerikanischen Präsidenten in die Einsamkeit der norditalienischen Berge zurückzieht. Sie findet den Roman überambitioniert und überladen. Er wimmelt für sie nur so von Themen und Fragen, die er sprachlich und gedanklich nicht bewältigen kann. Etwas gezwungen wirken auf Conrad zudem die tatsächlichen und aktuellen Umstände, die den Rahmen für die Geschichte hergeben. Außerdem hält sie Parks vor, den zeitgeistigen Problemen, die den Roman bewegen, aufzusitzen, statt ihnen durch eine grundsätzliche Infragestellung zu entkommen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.12.2006

Mit engagiertem Furor protokolliert Rezensent Sascha Michel seine Begegnung mit Tim Parks? neuem Roman, den er als Parks-typische virtuose Mischung aus Tiefsinn und Banalität, "großen Fragen" und Sinn fürs Alltägliche, psychologischer Subtilität bei der Figurenzeichnung und massenkompatiblem Erzählen nicht genug loben kann. Besonders der fettleibige Held hat es ihm angetan, Erfolgsjournalist Cleaver nämlich, der sich in einer Art verspäteter Midlife-Crisis in die Einsamkeit zurückgezogen hat. Dort wird er auf Grund einer fatalen Dialektik aus äußerer Stille und dem Lärm seiner inneren Stimmen einigen Belastungen ausgesetzt. Tom Parks scheint seine Leser ausgesprochen dicht an die komplexe Gemengelage in Innern seines Protagonisten heranzuführen. Der Rezensent jedenfalls berichtet ausgesprochen anteilnehmend vom "mentalen Desillusionsprogramm" des Protagonisten, der sich emotional noch einmal durch entscheidende, mitunter traumatische Stationen seines Lebens kämpft. Dabei trägt der Roman, schreibt Michel, so "melodramatisch dick" auf, wie sein Protagonist und ist dabei zur Begeisterung des Rezensenten doch klug genug, auf kraftmeierische Lösungsangebote in Sachen Sinnfrage und auktoriale Posen zu verzichten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.11.2006

Meike Fessmann, die den Romanen von Tim Parks generell Humor und Tiefgang attestiert, zeigt sich auch vom jüngsten Wurf des englischen Autors sehr angetan. Es geht um einen Topjournalisten, der sich, durch die Enthüllungen und Vorwürfe einer Autobiografie seines Sohnes tief verletzt, in die Südtiroler Berge zurückzieht und über sich und sein Leben nachdenkt. Parks geht dabei über die typische Midlifecrisis-Erzählung weit hinaus, lobt die Rezensentin, der es besonders gefällt, dass der Autor nicht den moralischen Zeigefinger hebt, sondern gefiltert durch das Bewusstsein des Protagonisten dessen Familientragödie aufdeckt. Mitunter dräut hier schon das Klischee, räumt Fessmann ein, doch gelingt es Parks immer wieder, diese Klippe zu umschiffen, wie sie zufrieden feststellt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2006

Eine eindrucksvolle, weil "zwanglose" Demonstration der literarischen Fähigkeiten des Autors Tim Parks hat Julia Bähr da gelesen. Parks "episches Ein-Mann-Stück" findet sie insofern unwiderstehlich, als es ihr schlichtweg keine Möglichkeit gelassen hat, dem "mentalen Chaos" des Helden aus dem Weg zu gehen. Dieses durcheinander bildet Parks nämlich auch formal ab, mit wenigstens drei Handlungsfäden gleichzeitig, er springt von Autoren- zu Figurenrede und wechselt die Perspektiven wie die Hemden. Klar, dass sich Gedanken und Erzähltes da vor den Augen der Rezensentin "rasant" vermischen. Nicht ganz so klar, wie Bähr das als "zwanglos" bezeichnen kann. Vom Ende mit seinem "etwas stockenden" Erzählfluss mal abgesehen, hat Bähr dieser eher handlungsarme Roman jedenfalls nie gelangweilt.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.10.2006

Für ein gelungenes, wenn auch etwas zu glattes Exemplar des Genres der "Vaterabrechnung" hält Marion Lühe Tim Parks' Roman "Stille". Parks zeichnet den Bewusstseinsstrom seiner Hauptfigur auf, des erfolgreichen Fernsehmoderators Harold, der sich gekränkt von den Schmähungen, mit denen ihn sein Sohn in dessen Autobiografie bedacht hat, in eine Bergeinsamkeit geflüchtet hat, um dort über sich und sein Verhältnis zum Sohn nachzudenken, berichtet die Rezensentin. Bei aller "scharfen Beobachtungsgabe" verzeichnet sie allerdings "Erschöpfungserscheinungen" des Autors: die Hasstiraden seines Protagonisten hätten "inzwischen etwas Abgeklärtes, handwerklich Routiniertes", bemängelt sie, sein schwarzer Humor sei "ausgebleicht" . Auch das versöhnliche Ende des Romans kann die Rezensentin offensichtlich nicht recht überzeugen.
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