Aus dem Englischen von Ulrike Becker. Sex ist im Dasgupta Institut verboten. Was also macht die unglaublich attraktive Beth Marriot hier? Warum verbringt eine junge Frau, deren unwiderstehliche Vitalität und selbstbewusstes Ego einst auf Eroberung und Ruhm aus waren, jetzt einen Monat nach dem anderen als Helferin im vegetarischen Restaurant eines puristischen Buddhisten-Retreats? Beth bekämpft Dämonen. Eine Folge von katastrophalen Ereignissen hat alle ihre Hoffnungen auf Glück unterminiert. Aus diesem Trauma gibt es für sie nur einen Ausweg: die asketische Strenge einer Gemeinschaft, in der man um vier Uhr morgens geweckt wird, keinen Augenkontakt mit anderen haben darf, geschweige denn mit ihnen sprechen, und in der Frauen und Männer streng getrennt sind. Aber Neugier stirbt zuletzt. Als Beth über ein Tagebuch stolpert, muss sie es lesen und fängt an, den Mann zu beobachten, dem es gehört. Und je mehr sie sich nach der Reinheit der schweigenden Priesterin des Retreats sehnt, desto mehr begehrt sie die Priesterin selbst.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 04.10.2012
Sehr eingenommen ist Rezensentin Nina Pauer für Tim Parks neuen Roman "Sex ist verboten". Einmal mehr beweise der Autor sein Talent, ebenso intim und subtil wie unmittelbar und humorvoll zu erzählen, lobt die Kritikerin, die Parks Heldin Elisabeth nach einem vergeblichen Selbstmordversuch in ein Regenerationszentrum folgt. Bei endlosen Meditationen und dem Versuch, das vom Institut vorgeschriebene Sex-Verbot einzuhalten, so Pauer, kämpft sie gegen die Gedanken an ihre missglückten Beziehungen, die gescheiterte Musikkarriere und die Suche nach sich selbst, um schließlich doch festzustellen, dass sie ein Gegenüber braucht, um sich weiterzuentwickeln. Diese "emotionale" Biografie, die große Verzweiflung und innere Ruhe meisterhaft vereine, hat die Rezensentin nicht nur bestens unterhalten, sondern auch nachhaltig beeindruckt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.09.2012
Meike Fessmann scheint bestens vertraut mit dem Werk des in Italien lebenden britischen Schriftstellers Tim Parks, der seine Befindlichkeit und Neigungen offenbar gerne ins Zentrum seiner Geschichten stellt. Hier erzählt er jedoch aus der Perspektive einer wunderschönen, lustfreundlichen jungen Frau, die sich in ein buddhistisches Schweige-Retreat begibt und dort auf das Tagebuch eines Gasts stößt. Das meditative Wellness-Milieu findet die Rezensentin hervorragend und glaubwürdig beschrieben, und die Konstellation mit der sinnlichen, lebensfrohen Erzählerin und dem skeptischen Tagebuchschreiber, "dessen gleichermaßen eitle wie selbstquälerische Aufzeichnungen sie mitliest und spöttisch kommentiert an den Leser weiterreicht", überzeugt sie auf ganzer Linie. Tim Parks erzähle in diesem Roman "auf höchst unterhaltsame Weise vom Dilemma des modernen Menschen, der keinen Ausstieg aus der Spirale der Überforderung findet."
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