Thor Kunkel

Das Schwarzlicht-Terrarium

Roman
Cover: Das Schwarzlicht-Terrarium
Rowohlt Verlag, Reinbek 2000
ISBN 9783499226465
Paperback, 640 Seiten, 14,32 EUR

Klappentext

Ffm, 1979. Nach dem Abbruch seiner Fernsehtechnikerlehre wird der 19jährige Kuhl Nachtwächter. Wie kann er das ändern? Der Roman vermischt schwarze Komödie mit Pulp-Fiction und utopisch-technischer Phantasie zu einem Panorama der Siebziger.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.12.2001

Der Rezensent Michael Kohtes stellt den bei Rowohlt erschienen Erstlingsroman "Das Schwarzlicht-Terrarium" des Verfassers Thor Kunkel vor. Einen Schmöker zum Revival des Disco-Fiebers nennt Kohtes den 600-seitigen Debütroman. Kunkel plündere den Trash-Fundus der Siebziger und erreiche mit den Pointen und Effekten seiner Randzonen- Geschichten bisweilen Tarantino-Komik. "Alles trist und lustig". Schade nur, meint Kohtes, dass Kunkel dabei die dramaturgische Kontrolle über sein Werk verliert und den Bezug zu seinen Figuren. Besser wäre gewesen, "sein enormes Fabuliertempo" einmal zu drosseln und zu gucken, wo die Handlungsstränge hinlaufen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.09.2000

Ziemlich abgekanzelt wird der aus der "Angstgegend" des Frankfurter Gallusviertels stammende "Werbefuchs" und Aufsteiger Kunkel von Kristina Maidt-Zinke. Und nicht nur er kriegt sein Fett ab sondern auch ein Literaturbetrieb, der offenbar nach so viel "Szenechic" und "kühler Präzision" mal wieder Hunger auf "Zumutungen" hat. Anders kann Maidt-Zinke sich nicht erklären, warum dieses Buch mit seinen wüsten, "ultimativ abgebrühten, selbstfällig seelenlosen" Helden und seinem "Ekelszenario" von Disco-Lärm, Drogen und Amoklauf von einem "bis dato sehr angesehenen Verlag" publiziert wurde. Liegt es daran, dass der Amokschütze Trakl liest? Und dass überhaupt aus seinem Action- und Brutaloplot aus allen "Ritzen des Trivialen" eine Ansprüchlichkeit quillt, die sich philosophisch, naturwissenschaftlich und literarisch belesen gibt? Sei es wie es sei, die Rezensentin empfindet, dass "bei aller Drastik und großmäuligen Trostlosigkeit" dem Roman etwas sehr "Synthetisches, Steriles" anhaftet - vielleicht weil er geschrieben wurde aus dem "gepflegten Elfenbeinturm" heraus, nur eine Erinnerung an wildere Jahre.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.06.2000

Volker Weidermanns Rezension ist deutlich anzumerken, mit welchem Vergnügen er diesen Roman gelesen hat - allerdings hält er sich nicht lange damit auf, seine Begeisterung zu begründen. "Prollig, lustig, hoffnungslos" - diese Diagnose muss dem Leser genügen, und die Anmerkung, dass es Kunkel gelungen sei, "Musik, Politik und Lebensstil" der späten 70er-Jahre einzufangen. So muss der Inhalt des Romans für sich sprechen. Weidermann erzählt denn auch ausgiebig von der Handlung, von dem Warten der Protagonisten auf eine "große Zukunft, die nie kommen wird", von den kläglichen und halbherzigen Versuchen, dem eigenen Leben eine Richtung zu geben, die über Drogenkonsum, Discobesuche und Sportstudio hinausgeht. Es ist nicht die Generation "Golf", die Kunkel in seinem "erstaunlichen Buch" beschrieben hat, so Weidermann, sondern eher die Generation "Opel Kadett".