"Wo-wo-wonige" lautete der Slogan der Wohnungsnot - Bewegung Ende der achtziger Jahre in Zürich. Wo sind die Wohnungen? Passender, günstiger Wohnraum ist in den Städten und so auch in Zürich knapp. Seit 1968 sind die Mieterinnen und Mieter aus der anonymen Manövriermasse auf dem Immobilienmarkt herausgetreten und wurden in der Quartierarbeit, im Mieterkampf, als Hausbesetzer oder im genossenschaftlichen Wohnungsbau aktiv. Zehntausende Aktivistinnen und Aktivisten aus zwei Generationen haben an diesem Kampf gegen die Spekulation und für eine lebenswerte Stadt teilgenommen. Mit Erfolg: Seit 1968 haben sich die politischen Rahmenbedingungen drastisch zugunsten des Wohnungsbaus verbessert: Wohnerhaltungsgesetz, PWG, und der 100 Millionenkredit für eine aktive städtische Liegenschaftenpolitik sind Ausdruck des Umdenkens.
Mit Gewinn hat Rezensent Oliver Pohlisch diese Geschichte der stadt- und wohnpolitischen Bewegung Zürichs seit 1968 gelesen, die der Historiker und Aktivist Thomas Stahel vorgelegt hat. Das Besondere an der Züricher Bewegung sieht er in der Verbindung von militanter Aktion im Häuserkampf mit analytischer Betrachtung der städtischen Krise. Beeindruckt hat ihn vor allem die umfangreiche Zusammenstellung von rund 250 Fotos sowie Reproduktionen von Plakaten, Flyern und Karikaturen aus dem Innenleben der Bewegungen, mit der Stahel die Geschichte dieser Bewegung, insbesondere während der 1970er, lebendig macht. Ausführlich berichtet Pohlisch über diverse Initiativen, über Proteste gegen die Kahlschlagsanierung, die Arbeit der von marxistischen Kadern geprägten Quartiersgruppen und so weiter. Er unterstreicht Stahels Einschätzung, der Bewegung habe es insgesamt an langfristigen planerischen Utopien gefehlt.
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