2 MP3 CDs. Dauer 14 Stunden, 50 Minuten. 3 Textbücher. Ungekürzter Lesetext und mit ausführlichem Kommentar. Gelesen von Ulrich Noethen und anderen. Die sich zwischen Dichtung und Wahrheit bewegenden "Züricher Novellen" bringen wichtige Ausschnitte aus der Geschichte von Gottfried Kellers Heimat: Die Entstehung der Manessischen Liederhandschrift, Zwinglis Reformation und die Wiedertäuferin Ursula, die Erinnerungsfeier an die Liebschaften des Landvogts Salomon Gessner und die sieben wackeren Eidgenossen am ersten Eidgenössischen Sängerfest von 1849 in Aarau.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.03.2025
Rezensent Florian Welle kommt aus den Begeisterungsstürmen für dieses Großprojekt des Schweizer Sinus-Verlags gar nicht mehr heraus: Sie haben das komplette Werk des Zürcher Großschriftstellers Gottfried Keller vertont, von den "Leuten von Seldwyla" bis zum "Grünen Heinrich." Als Finalpunkt haben sie nun von insgesamt sechs hochkarätigen Sprechern wie Frank Arnold und Ulrich Noethen die fünf "Züricher Novellen" einlesen lassen, erfahren wir, den CDs sind aufwändige Booklets beigefügt, um den gesprochenen und damit immer schon auch interpretierten Text auch geschrieben nachvollziehen zu können. Es gehe in den Geschichten zunächst um Jacques, der ein Bild von sich als Genie entwerfe, das er gar nicht erfüllen könne, in einer der anderen Novellen komme dann die Geschichte um den Landvogt Landolt zur Sprache, der sich von Spitznamen wie "Grasmücke" und "Distelfink" und den Körben, die er allseits von den Frauen kassiert habe, auf die Palme bringen lässt. Auch "Ursula" ist für den Kritiker eine erstaunliche Studie des Menschseins, die den religiösen Wahn der Hauptfigur ausleuchtet. Zum Schluss rekurriert er auf den großen Keller-Fan Walter Benjamin, um seiner Begeisterung für dieses Projekt noch mehr Gewicht zu verleihen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.02.2025
Rezensent Tilman Spreckelsen hört sich gerne durch dieses Mammut-Hörbuch, das fast 15 Stunden Gottfried Keller liefert. Es handelt sich um eine Novellensammlung, die durch eine Rahmenerzählung über einen jungen Mann zusammengehalten wird, der sich danach sehnt, ein origineller Mensch zu sein. Spreckelsen geht kurz auf das Begleitmaterial ein, das unter anderem die Novellentexte noch einmal gedruckt enthält, vor allem jedoch einige kluge und hilfreiche Essays zur Einordnung. Danach wendet er sich den Sprechern zu. In der Tat ist die Prosa auf eine ganze Reihe von Stimmen verteilt, was, wie Spreckelsen findet, dabei hilft, das Zuhören abwechslungsreich zu gestalten. Noch zuletzt, freut er sich, gelingt es einigen Sprechern - Spreckelsen hebt unter anderem Peter Simonischek und Ulrich Noethen hervor -, den Keller'schen Texten viele interessante Facetten zu entlocken. Insgesamt eine schöne Veröffentlichung schließt der Rezensent.
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