Mit Illustrationen von Anna Mateur und Burkhard Neie. Um das 20. Jahrhundert würdig zu beenden, möchte der Teufel nochmal einen Pakt alter Schule abschließen. Einen geeigneten Kandidaten findet er in dem Chansondichter La Groete, den er im Tausch gegen seine Seele zu den Höhen des Deutschen Kleinkunstpreises zu führen gedenkt. La Groete aber ist ein Weichei, das sich nicht mal gegenüber der Kulturbeauftragten einer Krankenkasse behaupten kann, die ihm mit ihrer Küchenpsychologie seine genialischen Attitüden erfolgreich austreibt. Eine Expedition in das faszinierende Berliner Cabaret der Nachwendezeit. Ein leidenschaftliches Pamphlet für ein unterschätztes Genre. Die Welt der kleinen Bühnen aus der Nahperspektive von zweien, die sich dort auskennen. Ein Frontbericht vom großen Ringen um Kreativität. Ein wildes Spiel mit Formen, Genreparodien und literarischen Anspielungen. Zitatenreich und verrätselt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.12.2024
Rezensent Patrick Bahners ist ganz in seinem Element bei der Lektüre dieser Faust-Paraphrase Thomas Pigors. Unter anderem geht es in diesem Buch um die Komposition eines Songs namens "Heidegger", den Pigor als Teil des Kabarettduos "Pigor singt, Benedikt Eichhorn muss begleiten" zum Besten gibt, und der, erfahren wir, die innere Musikalität der Heidegger-Prosa enttarnt. Bei dieser Gelegenheit kommt außerdem, lesen wir bei Bahners, Thomas Manns "Doktor Faustus" ins Spiel, dessen narrative Grundkonstellation von Pigor auf den Kopf gestellt wird. Überhaupt hat der Kritiker viel Freude an den zahlreichen intertextuellen Verweisen dieses fein geknüpften Romans. Der titelgebende La Groete ist das Alter Ego Pigors, der hier nicht zuletzt für eine Verteidigung der Kleinkunst eintritt, erkennt der Rezensent. Besonders viel Freude hat Bahners an den typografischen Spielchen, etwa, wenn im Schriftbild plötzlich Piktogramme oder Notizzettel auftauchen oder die Anfangsbuchstaben rot akzentuiert werden. Einen genuin "grafischen Roman" hat Pigor geschrieben, jubelt Bahners und findet, jede Seite ergebe ein "kleines Kunstwerk". Nicht nur dank der Illustrationen von Anna Mateur kann der Rezensent offenbar gar nicht genug bekommen von dem Schabernack, den der Autor hier treibt.
Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Anne Carson: Rot Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Anne Carson: Der bittersüße Eros Aus dem nordamerikanischen Englisch von Christina Dongowski. Es war eine Dichterin, Sappho, die dem Eros das paradoxe Attribut "bittersüß" gab. Dies geschah in der Zeit,…