Thomas Mann

Doktor Faustus

Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde. Große kommentierte Frankfurter Ausgabe, Band 10/1-2. Text und Kommentar in einer Kassette
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783100483393
Gebunden, 2010 Seiten, 84,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben und kommentiert von Ruprecht Wimmer unter Mitarbeit von Stephan Stachorski. Auf der Grundlage des Faust-Stoffes hat Thomas Mann in seinem 1947 erschienenen Musiker-Roman eine Parabel für die Verstrickung des Künstlertums in die politische Katastrophe des Nationalsozialismus geschaffen. Kein anderer Roman dieses Autors ist dermaßen kontrovers und erhitzt diskutiert worden - noch Jahrzehnte nach seinem Erscheinen. Ruprecht Wimmer verdanken wir den konzisen Abriss dieser komplizierten Wirkungsgeschichte, einen Apparat mit textkritischen Hinweisen und zahlreichen Sachinformationen sowie den Abdruck sämtlicher durch Selbstzensur geopferten Passagen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.01.2008

Das Skandalon von Thomas Manns Spätwerk "Doktor Faustus" war und ist bis heute, erklärt Manfred Koch, wie der Autor hier im Protagonisten Adrian Leverkühn und seiner musikalischen Zwölftonrevolution Nietzscheanische Genialität und deutsche Anfälligkeit für Faschistisches auf uneindeutige Weise übereinanderblendet. Gewiss könne auch der geradezu enzyklopädische Kommentar der neuen kritischen Ausgabe da nicht durch Hintergrundinformationen zur Entstehung eine klare Deutung ermöglichen - tatsächlich hätte sich Koch in diesem Punkt einen etwas "mutigeren Zugriff gewünscht" -, aber: Alles, was es zu wissen gibt über Quellen, Zitate, Lektüren Thomas Manns und seinen Umgang mit ihnen, ist in dieser Ausgabe nun nachzuschlagen und zu erfahren. Der Rezensent geht dabei in manches Detail, resümiert auch Schönbergs und manch anderer Reaktionen auf das Buch und lobt die vorliegende Ausgabe, dass sie dank "Personen- und Werkregister" am Ende sogar als "Thomas-Mann-Lexikon" taugt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.11.2007

Die im Erscheinen begriffene Ausgabe der Werke Thomas Manns, zu der dieser Band gehört, ist nicht historisch-kritisch im engeren Sinne - "wissenschaftlich fundiert" und vor allem ausführlich kommentiert aber allemal. Letzteres führt dazu, dass der mit dem Roman zugleich erscheinende Kommentarband zum selbst schon nicht schmalen "Doktor Faustus" mit fast 1300 Seiten bald doppelt so dick ist wie der Roman. In seiner sehr ausführlichen Rezension nimmt Jens Malte Fischer die Geschichte sowie Vor- und Nachgeschichte des "Doktor Faustus" in den Blick und konstatiert, dass er nach wie vor von enormer Bedeutung ist für die deutsche Literatur. Das Publikum freilich drohe ihm zu entschwinden, weil es kaum noch Leser gebe, so Fischer, die die für den Roman eigentlich nötige literarische wie musikalische Kennerschaft mitbringen. Eben deshalb aber scheint ihm der ins Detail gehende Kommentar gerechtfertigt, jedenfalls da, wo es um die Aufklärung musikalischer und thematischer Sachverhalte geht. (Ein paar Fehler insbesondere im Bereich der Musik kann Fischer den Herausgebern Ruprecht Wimmer und Stephan Stachorski aber nachweisen.) Auf manche editionsphilologische Information hätte der Rezensent dagegen verzichten können. Insgesamt aber ist er mit der Ausgabe hoch zufrieden und hält sie dem enormen Rang ihres Autors für angemessen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2007

Die Wiederbegegnung mit Thomas Manns "Doktor Faustus", der jetzt in einer kommentierten Ausgabe vorliegt, ist für den Schriftsteller Thomas Hettche ein berückendes Erlebnis. In einer sehr umfangreichen Besprechung in der FAZ am Sonntag erzählt er von seiner ersten Lektüre des Romans mit vierzehn Jahren, als er, ohne jede bildungsbürgerliche Erziehung, keineswegs der Leser war, der Mann wohl vorschwebte. Eindringlich schildert er, wie ihn das Buch von Anfang an faszinierte, obwohl ihm dessen Welt fremd war, wie er durch die Lektüre etwa zum ersten Mal etwas von Musik begriff. Anknüpfend an die Echo-Episode in "Doktor Faustus" resoniert er sodann über die Art und Weise der Fiktionsbildung bei Mann und die ihr zugrunde liegenden professionellen Recherchen, wozu er im reichen Kommentarband minuziöse Auskunft findet. Abschließend erinnert er an seine inzwischen 90-jährige Deutschlehrerin, die er heute noch besucht und in deren Bibliothek er zum ersten Mal den "Doktor Faustus" gelesen hat. Humanismus würde sie sagen, schreibt Hettche, sei nichts anderes als das Echo der Liebe. Da gibt er ihr recht, und genau darum geht es in seinen Augen auch in diesem großen Roman von Thomas Mann, der ihm viel zu wichtig erscheint, als dass man ihn den "Buchhaltern der Bürgerlichkeit" überlassen dürfte.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2007

An Superlativen für Thomas Manns Künstler- und Deutschlandroman fehlt es dem Rezensenten Edo Reents fraglos nicht. Ein "Ding der Unmöglichkeit" sei er, als "Sprachkunstwerk" ein "Wunder", ein Buch von "schier unerträglicher (...) Hochspannung". Nun liegt die kommentierte Ausgabe vor, zwei Bände dick, der Kommentar nimmt beinahe zweimal so viel Raum ein wie das Buch selbst. Das aber ist durchaus angemessen, findet Reents, denn vielerlei sei in das Buch eingegangen und über dies Viele werde man in den Anmerkungen kompetent, wenn auch gelegentlich vielleicht etwas ausführlich, informiert. Kleinigkeiten gebe es natürlich immer zu bemängeln (Heines Geburtsjahr ist einmal falsch), im Großen und Ganzen aber hat der Rezensent an dem Unternehmen, an dem Herausgeber Ruprecht Wimmer sieben Jahre saß, wenig auszusetzen. Eines aber doch: Thomas Manns vor allem an Adorno adressierte "Entstehung des Doktor Faustus" hätte auf jeden Fall mit in die historisch-kritische Ausgabe gehört. Das wäre einen dritten Band allemal wert gewesen.
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