Thomas Lehr

Manfred

Bekenntnisse eines Außerirdischen. Roman
Cover: Manfred
Carl Hanser Verlag, München 2023
ISBN 9783446277496
Gebunden, 336 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Manfred ist ein höchst durchschnittliches Exemplar der Gattung Homo sapiens. Anfang 30, blass und schmerbäuchig lebt er einsam im Homeoffice. Und dennoch löst er intergalaktischen Alarm aus. Wieso sollte gerade er - wie vor ihm Descartes oder Einstein - die Fähigkeit haben, die Existenz der Außerirdischen zu entlarven? Der Außerirdische Zorrgh ergreift Besitz von Manfreds Bewusstsein, um den Grund herauszufinden. Er boostert Manfred und schon bald nimmt dieser Kontakt zu seiner - nicht ganz so harmlosen - Jugendliebe Sabine auf. Bis hin zu einem furiosen Finale ahnt Zorrgh nicht, wie nah ihn die beiden an seine eigenen Grenzen bringen werden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.01.2024

Anstrengend ist Thomas Lehrs Roman gelegentlich schon ein bisschen, so Rezensent Paul Jandl, und ein bisschen überfrachtet ist er hier und da ebenfalls, gleichwohl jedoch ist das ein kunstvoll geschriebenes und in der deutschen Literatur ziemlich einzigartiges Buch. Im Zentrum steht, fasst Jandl zusammen, Manfred, ein Typ, der ein wenig glamouröses Leben führt, bevor er von einer außerirdischen Entität namens Zorrgh gekiddnappt wird, die in Schachtelsätzen spricht und uns auf eine wilde Reise quer durch die Kultur- und Geistesgeschichte mitnimmt. Hieronymus Boschs Bilder kommen ebenfalls zur Sprache, und an eben diese fühlt sich Jandl auch mit Lehrs zwischen Unsinn und Geisteshöhen pendelndem Buch erinnert, in dem es außerdem um Manfreds Liebesleben geht. Dass sich die Menschen und die Außerirdischen umso weniger verstehen, je näher sie sich kommen, ist für den Rezensenten eine der Pointen des Buchs.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.01.2024

Ausgerechnet in einer einigermaßen gescheiterten Existenz, die von gelegentlichen IT-Jobs lebt und den Namen Manfred trägt, nistet sich in Thomas Lehrs Buch die außerirdische Entität Zorrgh ein, erfahren wir von Rezensent Tobias Lehmkuhl. Zorrgh hat erfahren, dass irgendwo in Manfreds Nähe jemand dabei ist, das Geheimnis des Universums zu lüften, und das möchte er verhindern - und zwar nicht zum ersten Mal: Hieronymus Bosch zum Beispiel musste er einst auch vom rechten Weg abbringen. Manfred wird jedenfalls von Zorrgh in Form gebracht, bald hat er Geld, ist körperlich in Form und bandelt auch wieder mit Frauen an, was ganz im Sinne Zorrghs ist, der sich vor allem für eine Schulfreundin Manfreds interessiert. Der Kritiker amüsiert sich prächtig dabei, Zorrghs abstrusen und humorvollen Gedankengängen zu folgen. Das Buch kommt leichtfüßiger daher als die schweren metaphysischen Themen verpflichteten letzten Romanen Lehrs, meint er. Die kunstvollen Gedankensprünge haben ihm insgesamt ziemlich gut gefallen.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 07.10.2023

Bei Thomas Lehr liest Michael Opitz von Außerirdischen, die den Menschen Manfred infiltrieren - wer diese Aliens eigentlich genau sind und was sie auf der Erde wollen, erfährt der Rezensent aber erst reichlich spät. Ausführlich zitiert er aus den Passagen, in denen die Außerirdischen Manfreds Hirn nach brauchbaren Infos durchsuchen und ihn zum "Reitpferd" machen wollen - warum, auch das ergibt sich erst gegen Ende. Viele philosophische Gedankengänge finden dabei Eingang in einen Text, der sein eigentliches Sujet jedoch gelegentlich aus den Augen verliert, moniert Opitz. Auch wenn Lehr "zu den außergewöhnlichen Erzählern" der Gegenwartsliteratur gehört, plotmäßig haut es nicht so ganz hin mit dieser Geschichte, findet der Kritiker.  Und für eine kritische Überlegung zum Zustand der Menschheit und der Mutter Erde hätte es die Aliens auch nicht unbedingt gebraucht, denkt er sich.

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