Auf der Suche nach einem verschollenen Spiegel-Artikel erhält der Erzähler in Philipp Schönthalers neuem Roman unerwartet eine Einladung zu einer Tagung am Forstell-Institut in Nevada. Dort, in einem atombombensicheren Archiv, lagern nicht nur die Fachpublikationen von Natur- und Ingenieurwissenschaftlern wie Wernher von Braun, Robert Oppenheimer und Norbert Wiener. Auch ihre von technischen Meistererzählungen überschatteten Dichtungen werden dort sicher verwahrt, als schlummerten in ihnen untergründige Allianzen zwischen Technik und Literatur, Mathematik und Fantasie, als bräuchte es Romane, um auf dem Mond zu landen. In diesem Geflecht aus historischen Ereignissen und individuellen Biografien, technischen Innovationen und literarischen Schreibprojekten dringt der Protagonist allmählich immer weiter vor, bis dorthin, wo sich Fiktion in Realität und die Realität in immer neue Fiktionen verwandelt und all das lesbar wird auf den Seiten des Himmels.
Rezensent Oliver Pfohlmann bespricht Philipp Schönthalers Buch interessiert, aber nicht enthusiastisch. Die Hauptfigur trägt keinen Namen, erfahren wir, es handelt sich um einen Schriftsteller und Journalisten, der unter anderem am Klagenfurter Wettlesen teilnimmt und sich für Wissenschaftler interessiert, die auch literarisch aktiv waren. Dazu besucht er ein fiktives Institut, das die Nachlässe eben solcher schriftstellernden Forscher versammelt, und über weite Strecken erzählt das Buch Pfohlmann zufolge die - wiederum realen - Biografien solcher Forscher nach, wie etwa die Wernher von Brauns. Die Rahmenhandlung um den namenlosen Schriftsteller bleibt über weite Strecken Nebensache beziehungsweise wirkt konstruiert, moniert der Rezensent, der freilich anmerkt, dass der Ich-Erzähler gegen Ende doch etwas mehr an Kontur gewinnt. Unter anderem macht das erzählende Ich sich lesenswerte Gedanken über den Zusammenhang von Technik und Wahrnehmung, erläutert der insgesamt von diesem Buch freilich nicht durchweg begeisterte Pfohlmann.
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