Klappentext

Herausgegeben von Ulrike Janssen und Norbert Wehr. Spielzeit: 250 Minuten. Der Auftritt vor Publikum war für Thomas Kling eine "hochwichtige Angelegenheit", und drei Faktoren waren dabei entscheidend. Zuerst die Bühne: gutes Licht, ein Tisch, ein Stuhl, ein Mikro. Dann der Vortrag: "1. Kein Genuschel bitte. 2. Didaktik hat weder im Gedicht noch auf der Bühne etwas verloren. Also: bitte keine autoexegetischen Turnübungen. 3. Bittebitte keine Mätzchen (keine Performance) mehr! Und 4. siehe 1.: Kein Genuschel bitte." Und schließlich das Publikum: "Ein konzentriertes Publikum ist enorm wichtig. Dann wird man auch gut auf der Bühne. Es setzt noch einmal alle Kräfte frei..." Für alle, die Thomas Kling verpasst haben, und alle, die ihn wieder erleben wollen, wird seine lebendige Wortmacht erfahrbar: auf vier CDs mit den prägnantesten Lesungen aus den 1980er und 90er Jahren sowie zwei Gesprächen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.08.2015

Beate Tröger wäre bei einer Lesung Thomas Klings gern dabeigewesen. Wie Klings laut Tröger zugespitzte apokalyptische Gedichte, ihr Stakkato-Rhythmus und scharfer Klang im Vortrag durch die fein modulierte Stimme des Autors ins kaum noch Erträgliche gesteigert werden, provokativ zischelnd, kann die Rezensentin nun anhand dieses umfangreichen Hörbuchs nachvollziehen. Klings dichterische Position zwischen Tradition (der Wiener Gruppe etwa) und analytischer Überwindung des Tradierten wird Tröger einmal mehr bewusst, wenn der Autor seine Lesung zur genau choreografierten Sprachinstallation ausbaut.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.03.2015

Vier großartige unter dem Titel "Die gebrannte Performance" erschienene Hörbücher kann Rezensent Nico Bleutge zu Thomas Klings zehntem Todestag empfehlen. Angetan lauscht er hier Klings Kunst der "Sprachinstallation", lässt sich zu den Wurzeln der Lyrik führen und bewundert die spürbare, unterhaltsame Lust am Sprachmaterial. Aber damit nicht genug: Bleutge folgt in diesem exzellente editierten Werk auch Gesprächen mit dem Autor, die einen seltenen Einblick in seine Kindheit gewähren, hört die Hintergründe zu seinen Texten und taucht in den aufgezeichneten Lesungen in die bild- und klangreiche Welt des Dichters. Vor allem lobt der Kritiker die gemeinsam mit dem Schlagzeuger Frank Köllges inszenierten Lesungen. Gebannt hat der Rezensent mit Thomas Kling die vielfältigen Möglichkeiten des "Wahrnehmungsinstrument Gedicht" kennengelernt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.03.2015

Zum zehnten Todestag des Dichters Thomas Kling haben Ulrike Janssen und Norbert Wehr eine Großtat vollbracht und aus dessen Vorträgen, Interviews und Privataufnahmen eine Hör-Edition zusammengestellt, berichtet Alexander Cammann beeindruckt. Es sei ihnen gelungen, aus den achtzig Stunden Material jene Stellen herauszusuchen, die Klings Werk authentisch wiedergeben. Besonders dessen unorthodoxe Vortragsweise, das Nutzen sämtlicher stimmlicher Möglichkeiten, sowie die gekonnte Mischung verschiedenster Sprachstile entfachen Cammanns Begeisterung.