Es beginnt mit einem Glücksfall: Der Ich-Erzähler kann im Februar 1945 zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter in einem ruhigeren Randbezirk in ein von seinen Besitzern verlassenes Haus ziehen, in dem sich nur noch die Haushälterin und geheime Vorräte befinden. Eindrücklich und wendungsreich wird das Leben der kleinen Gemeinschaft in einer Zeit geschildert, in der die Vergangenheit brutal versinkt und das Kommende mehr als dunkel ist. Aber sie ist nicht nur gekennzeichnet von Todesangst, Zerstörung, Hunger und dem ängstlich erwarteten Eintreffen der Sieger, sondern auch von optimistischen Planungen für eine demokratische Zukunft und ganz persönlichen Sehnsüchten, die in dieser apokalyptischen Situation mitunter zu grundsätzlichen Lebensfragen werden. Dann kommt der Frieden und bringt eigene Gefahren mit sich. Ruhe tritt jedenfalls noch längst nicht ein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.2018
Rezensentin Anja Hirsch kann kaum glauben, dass man Karl Friedrich Boree kaum kennt. Seine Chronik einer Berliner Familie von 1948 besticht laut Hirsch schon in sprachlicher Hinsicht, durch ihren Wortschatz und trockenen Sprachwitz. Auch als lebensnahes Dokument einer Umbruchszeit überzeugt der Text die Rezensentin, auch wenn der Erzähler nicht immer weiß, ob er die Menschen liebt oder verachtet, wie sie schreibt, und zeittypisches Pathos Eingang in den Text findet. Die schiere Detailfülle und den subjektiven Ton aber findet Hirsch bemerkenswert.
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