Anfang der sechziger Jahre quälten sie sich noch in der Oberliga Süd durch die Dörfer. Dann wurde der Bauunternehmer Wilhelm Neudecker Präsident des FC Bayern. Er begriff, dass mit dem Trümmerfußball altdeutscher Prägung nichts mehr zu gewinnen war, und engagierte einen Trainer, der die jungen Spieler stürmen ließ, dass den Zuschauern der Mund offen stand. Und er verpflichtete einen Manager, der die Spielergehälter vervielfachte und seinen Stars lukrative Werbeverträge sicherte: Aus Fußballarbeitern wurden Popstars. Auf die Revolution von oben folgte die von unten. Selbstbewusste Spielertypen wie Sepp Maier erprobten erfolgreich den Aufstand gegen den autoritären Präsidenten. Allmählich übernahm die Mannschaft den Club. Es begann die Ära Hoeneß. Dieser hatte eine Vision: in einem rasant sich entwickelnden Geschäft erfolgreich sein und dennoch die Identität wahren. Rückschläge steckte er wie kein anderer weg: den Flugzeugabsturz, den er als Einziger überlebte, den Bruch mit dem Schicksalsgefährten Paul Breitner, drei tragische Niederlagen in europäischen Endspielen. Er wirtschaftete den Club trotzdem an die Spitze: Klar, es gab auch Neid, Intrigen, aber nach 40 Jahren steht ein ehemals kleiner Münchener Stadtteilclub ganz oben, und die, die es erkämpften, erst auf dem Rasen, dann an den Konferenztischen, sind immer noch da: der Uli, der Franz, der Kalle, der Sepp und sogar der Gerd. Die Mannschaft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.05.2006
Bestens informiert und unterhalten fühlt sich Rezensentin Julia Bähr von dieser Geschichte des FC Bayern, die Thomas Hüetlin vorgelegt hat. Die Darstellung des wohl meistgehassten Fußballclubs der Liga erscheint ihr wohlwollend, wenn nicht parteiisch, über einen Mangel an Loyalität seitens des Autors wird sich der Verein jedenfalls kaum beklagen können. Nahezu jeden wichtigen Fußballer und Trainer der letzten Jahrzehnte widme der Autor ein eigenes Kapitel, wobei er sich besonders vor Langzeitmanager Uli Hoeneß verneige. Bisweilen allerdings zerfasert die Darstellung für Bährs Geschmack ein wenig. Dagegen schätzt sie die ausführliche Thematisierung der zunehmenden Kommerzialisierung des Profifußballs. Auffallend erscheint ihr, dass Hüetlin Akteure, die dem FC Bayern nicht mehr in Freundschaft verbunden sind, nicht gerade mit Samthandschuhen anfasst. Am blutigsten grätsche er Lothar Matthäus weg: Doch "die aufblitzende Polemik", findet die Rezensentin, "würzt die Vereinsgeschichte aufs feurigste".
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