Erstmals liegt eine umfassende Studie vor, die die Verflechtungen von Schweizer Firmen und Investoren mit der Sklaverei im 18. und 19. Jahrhundert aufzeigt. In Frankreich waren Schweizer in nahezu hundert Schiffsexpeditionen involviert, die bunt bedruckte, vor allem von (Ausland-)Schweizern hergestellte Indienne-Tücher nach Afrika führten und dort gegen Sklaven eintauschten. Schweizer besaßen Aktien von Gesellschaften, die über 172.000 Afrikaner im Rahmen dieser Handelswege in die Karibik brachten. Schwarze Sklaven waren aber auch auf Plantagen von Schweizern zu finden. Und nicht zuletzt halfen Schweizer Söldner und Offiziere bei der Niederschlagung von Sklavenaufständen in der Karibik.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.04.2006
Für Gottfired Oy zeigt diese "fundierte Quellenstudie", dass der Europäische Sklavenhandel vor allem privatwirtschaftlich organisiert war. Und dieser Befund, so der Rezensent, erlaube mithin auch nicht, die Frage nach der historischen Verwantwortung rückwirkend an staatliche Institutionen zu delegieren - womit sich auch die zweite Frage erübrigt, ob ein binnenkontinental gelegenes Land wie die Schweiz in diesem Geschäft verstrickt war. So waren etwa Schweizer Familien als Anteilseigner oder Versicherer von Sklavenxpeditionen beteiligt, bei denen nicht selten aufständische Schwarze einfach ermordert wurden, referiert der Rezensent. Und auch wenn viele dieser Unternehmungen scheiterten und die Studie folgerichtig die "Rentabilität des Sklavenhandels ... geringer einschätzt als bislang" so brachten sie doch mehr ein als "andere damals übliche Finanzgeschäfte."
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.02.2006
Der französische Originaltitel - "La Suisse et l'esclavage des Noirs" - trägt die Schweiz im Titel, die als ganze freilich kaum in den Sklavenhandel verstrickt war. Vielmehr, das macht gerade dieser Band deutlich, beteiligten und bereicherten sich vor allem einzelne Schweizer am Handel mit Schwarzen, an ihrem Verkauf und Transport von Afrika nach Amerika. Und zwar als Ausrüster von Sklavenschiffen, als an Sklavenexpeditionen Beteiligte oder als Finanziers einschlägiger Unternehmungen. Die Autoren schätzen, dass etwa 1,5 Prozent der 11 bis 12 Millionen Sklaven unter Mithilfe von Schweizern nach Amerika verkauft und verfrachtet wurden. Der "reißerische" deutsche Titel, bedauert der Rezensent (Kürzel "ach.") führt in die Irre, denn "schwarz" im Sinne von heimlich war an den Geschäften gar nichts - sie waren nach damaligem Verständnis "legal". Der Rezensent lobt, dass die Autoren auf moralische Entrüstung verzichten und den Sachverhalt im Kontext seiner Zeit darstellen.
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