Kein Abstimmungskampf hat die Schweizer Bevölkerung je so aufgewühlt wie die Abstimmung über die Schwarzenbach-Initiative 1970. Das Volk musste entscheiden, ob es 300000 Ausländer aus der Schweiz ausweisen wollte. Viele hatten das Gefühl, die Schweiz sei überfremdet. Thomas Buomberger geht den Anfängen der Überfremdungsdiskussion nach, analysiert das Phänomen Schwarzenbach und zieht Parallelen zur SVP, die fremdenfeindliche Positionen mehrheitsfähig gemacht hat.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.12.2004
Recht aufschlussreich findet der "C. W." zeichnende Rezensent dieses Buch des Historikers Thomas Buomberger, das die politischen Auseinandersetzungen um die "Überfremdung" in der Schweiz nachzeichnet und teilweise in die Zeitgeschichte der Einwanderung und der Ausländerpolitik einbettet. Im Zentrum stehe die berüchtigte Abstimmung vom 7. Juni 1970, bei der die Schweizer mit knapper Mehrheit entschieden, ihre Einwanderer nicht wieder nach Hause zu schicken. Hier komme auch die Verarbeitung des umfangreichen und vielseitigen Quellenmaterials am spannendsten zur Geltung. "Lebendig" findet der Rezensent Buombergers Schilderung der Stimmung in der Zeit der raschen, noch ungewohnten Einwanderung. Den Gewerkschaften, die zuerst Beschränkungsmaßnahmen bei der Einwanderung gefordert hatten, halte er vor, einen Boden für die xenophoben Bewegungen gelegt zu haben. Die Nationale Aktion mit James Schwarzenbach an der Spitze griff das von den etablierten Parteien vernachlässigte Thema 1968 auf und warb für eine Abbau-Initiative, die dann mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 46 Prozent zum schockartigen Signal wurde. Buomberger attestiere Schwarzenbach, als Erster in Europa ein gesellschaftliches Unbehagen zu einer derartigen politischen Bewegung kondensiert zu haben.
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