Carl Hanser Verlag, München 2026
ISBN
9783446288324 Gebunden, 272 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Dresden 1989: Toni versucht zu ergründen, warum er eine Schwester hat, die nur er sehen kann. Zwischen Familienschweigen und dem Stumpfsinn des Systems schlägt er sich durch. Fahnenappelle, vom Tagebau verschlungene Dörfer, verschwundene Cousins, die Kriegsschwere der Eltern und Großeltern bilden ein dunkel flackerndes Kaleidoskop. Es bleibt Toni rätselhaft, bis er sich mit dem Sitzenbleiber Maik anfreundet. Als Toni ihn vor dem Zorn eines systemtreuen Lehrers rettet, beginnt ihre Flucht zu sich selbst. Mit Wärme und Witz erzählt Thilo Krause vom Aufwachsen in der DDR und dem Trost der Freundschaft aus einer Vergangenheit, die nicht vergangen ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.09.2026
Rezensentin Janka Zündorf warnt davor, sich vom "rührseligen" Titel dieses Romans abschrecken zu lassen. Denn sie ist äußerst beeindruckt von der präzise beobachtenden, aber trotzdem "feingliedrigen" und stimmungsvollen Geschichte um den jungen, eher verträumten Toni, seine Freundschaft zum frechen Sitzenbleiber Maik und die (Nicht-)Beziehung zu seinen Eltern: wie genau Krause hier die Kluft zwischen dem autistisch anmutenden, chronisch "betriebsamen" Vater und der zwischen Wutausbrüchen und "trauriger Hilflosigkeit" schwankenden Mutter in den Blick nimmt, imponiert der Kritikerin. Gleichzeitig bewundert sie die filigranen, fast "impressionistisch" wirkenden Naturbeschreibungen, so etwas liest man heute kaum noch, staunt sie. Ein klein wenig "Rührseligkeit" findet sie im Laufe des Romans dann leider doch, und an einigen Stellen werde das längst Verstandene noch unnötig deutlich ausgesprochen. Insgesamt für sie aber trotzdem ein literarisch ansprechender Roman mit starken Figuren.
Rezensent Nico Bleutge kommen große Vergleiche wie Lutz Seiler oder Wolfgang Herrndorf in den Sinn bei der Lektüre des zweiten Romans von Thilo Krause, der ihm die Geschichte der zwölfjährigen Freunde Toni und Maik erzählt, die den Sommer 1989 gemeinsam verbringen. Schon wie dicht Krause den historischen Hintergrund webt, um "Müdigkeit und Schwere" der Eltern in der DDR kurz vor ihrem Ende nachvollziehbar zu machen, imponiert dem Kritiker. Auch, wie der Autor die Coming-of-Age-Geschichte der beiden Jungs damit verwebt, stets unterhaltsam, mit "ironischem Grundton", gefällt Bleutge. Da verzeiht er gern, dass nicht alles auserzählt wird.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 22.08.2026
Ein schönes, eigensinniges Buch über einen Heranwachsenden in der zu Ende gehenden DDR hat Thilo Krause Rezensent Helmut Böttiger zufolge geschrieben. Im Zentrum steht der zwölfjährige Toni, Zeitraum der Handlung ist das Jahr 1989. Der Umbruch der Zeit dringt in den Roman jenseits aller politischer Begrifflichkeiten ein. Krause bleibt eng an der Wahrnehmung des Jungen und seiner Lebenswelt, wichtig ist seine Großmutter und vor allem Maik, ein etwas älterer Freund, zu dem er sich freundschaftlich hingezogen fühlt. Ein "Buch voller Andeutungen, Versprechungen und Hoffnungen" kann Böttiger empfehlen, eines, das weniger an Antworten denn an Fragen interessiert ist.
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