Die Türkei beherbergt die größte Anzahl aus Syrien Geflüchteter weltweit. Zurzeit sollen es knapp 3 Millionen sein. Nicht alle wollen nach Europa: Manche arbeiten und leben in der Türkei, andere hoffen, sobald wie möglich nach Syrien zurückkehren zu können. Die türkische Regierung versucht zugleich, die Geflüchteten für ihre innen- wie außenpolitische Ziele zu benutzen. Eine Perspektive, wie das Zusammenleben auf lange Sicht funktionieren soll, haben zurzeit weder der Staat noch die Zivilgesellschaft. Zudem leiden unter der verflachten Wahrnehmung, man habe es mit einer homogenen Gruppe 'Syrer' zu tun, nicht nur die vielfältigen ethnischen und religiösen Gruppen Syriens, sondern auch die Geflüchteten aus anderen Ländern wie dem Irak, Afghanistan, Iran, Nigeria und Äthiopien. Besonderes Augenmerk gilt in Tayfun Guttstadts Reportage den lokalen Initiativen, dem rechtlichen Status der Geflüchteten sowie der speziellen Situation von ethnisch-religiösen Minderheiten, Frauen und nicht-heterosexuellen Menschen.
Erschüttert hat Rezensent Gerrit Wustmann Tayfun Guttstadts Reportage über die Situation von syrischen Geflüchteten in der Türkei gelesen. Anhand von Gesprächen, genauen Beobachtungen und sorgfältig recherchierten Hintergrundinformation schildert der Journalist die Bedingungen der Menschen so "realistisch" wie "schockierend", erklärt der Kritiker: Er liest, wie die Mehrheit der Geflüchteten in Flüchtlingslagern oder Slums verwahrlosen, in Textilbetrieben oder Landwirtschaft ausgebeutet werden, während nur wenige in der Türkei arbeiten können. Darüber hinaus erfährt Wustmann hier, dass islamistische Einrichtungen im Gegensatz zu engagierten NGOs oder regionalen Gruppen staatliche Unterstützung erhalten.
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