Tanja Maljartschuk

Blauwal der Erinnerung

Roman
Cover: Blauwal der Erinnerung
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2019
ISBN 9783462052206
Gebunden, 288 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Ein Roman über den vergessenen ukrainischen Volkshelden Wjatscheslaw Lypynskyj, dessen Leben auf kunstvolle Weise mit dem der Ich-Erzählerin verknüpft wird: Sie sucht in dessen Vergangenheit nach Spuren, um besser mit ihrer eigenen Gegenwart zurechtzukommen. Eine Frau leidet, nach unglücklichen Beziehungen aus der Bahn geworfen, unter Panikattacken und verlässt monatelang die Wohnung nicht. Sie findet Orientierung und Halt in einer historischen Figur, die für die Geschichte der Ukraine eine große Rolle spielte: Wjatscheslaw Lypynskyj. Der leidenschaftliche Geschichtsphilosoph und Politiker entstammte einer polnischen Adelsfamilie, die in der Westukraine lebte. Schon früh identifizierte er sich mit der Ukraine und bestand auf der ukrainischen Form seines Namens. Nach dem Studium befasste er sich politisch und historisch mit dem zwischen Polen und Russland zerrissenen Land und forderte wie besessen seine staatliche Unabhängigkeit. Ein Kampf, der ihn durch verschiedene Länder führte und persönliche Opfer kostete. Ähnlich kränklich wie diese historische Figur und - wie er - auf der Suche nach Zugehörigkeit, folgt die Erzählerin diesem stolzen, kompromisslosen, hypochondrischen Mann, um durch die Erinnerung der sowjetischen Entwurzelung zu trotzen.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 09.02.2019

Richard Kämmerlings ist enttäuscht von Tanja Maljartschuks Roman. Weder gelingt die Nacherzählung der Biografie des ukrainischen Nationalhelden Wjatscheslaw Lypynskyj ohne Kolportage, meint er, noch überzeugt der zweite Strang der Erzählung, in dem es um autobiografisch grundierte Affärenerfahrungen einer jungen Autorin geht. Klischees und der allwissende "Zeitrafferton", mit dem die Autorin durch das Zarenreich, die Oktoberrevolution und den russischen Bürgerkrieg hetzt, haben Kämmerlings eher gelangweilt als gefesselt, auch wenn die Autorin die Quellen kennt, wie der Rezensent einräumt, und die Dilemmata politischen Handelns am Beispiel ihrer Figur gut herausarbeitet. Fiktion und Historie finden im Buch nicht zu einer gelungenen Synthese, findet Kämmerlings.