T.C. Boyle

Das Ende ist nur ein Anfang

Storys
Cover: Das Ende ist nur ein Anfang
Carl Hanser Verlag, München 2026
ISBN 9783446288393
Gebunden, 240 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Übersetzt aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren. Eine arglose junge Frau hat ihr ganz eigenes Verständnis von zu Hause. Ein Drehbuchautor erliegt der trügerischen Macht seiner Fiktion. Und eine alleinerziehende Mutter verteidigt ein texanisches Schmetterlings-Schutzgebiet, direkt neben der geplanten Grenzmauer zu Mexiko. Dazu eine Waffe aus dem 3D-Drucker, Schnee im Juli, ein schicksalhafter Wespenstich und das dystopische Jahr 2036, in dem Grönland längst zu Trumps Amerika gehört. In zwölf neuen Erzählungen blickt T.C. Boyle tief in die Abgründe der amerikanischen Gesellschaft - und selten lagen Leben und Tod so nah beieinander. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.07.2026

Rezensent Josef Wirnshofer kennt T.C. Boyle als "Meister des Beiläufigen", der es auch in seinem neuen Erzählungsband schafft, große Themen ohne bleierne Schwere, aber mit leuchtenden Details zu erzählen. Das sei sicher auch der wie immer gelungenen Übersetzung Dirk van Gunsterens zu verdanken. In dystopischen Geschichten zeigt Boyle Wirnshofer, wie ein Milliardär die Stratosphäre mit Schwefelsäure vergiftet, es gibt kein Sonnenlicht mehr und der neblige Tag hängt "wie ein feuchtes Laken" vor dem Fenster. Das "strahlende und schwerstverletzte Land" USA ist eigentlich auch ohne dystopische Erfindung schon gruselig genug, wie der Kritiker bei der Lektüre befindet. Besonders stark findet er die Geschichte "Schutzgebiet", die im mexikanischen Grenzgebiet spielt, Rita hat dort die Kontrolle über ein Schmetterling-Sanctuary, als eine Republikanerin hereinkommt, mit der sie sich über den Grenzwall streitet. Da werden für den Rezensenten noch einmal alle amerikanischen Probleme von Trumpismus bis Verschwörungstheorien sehr elegant und melancholisch-nachdenklich aufs Tableau gebracht. Für ihn gibt es an diesem tollen Band "nichts, wirklich gar nichts" auszusetzen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.07.2026

Rezensentin Judith von Sternburg eröffnet ihre Rezension mit einem Lob auf Dirk van Gunsteren und seine Übersetzung von T.C. Boyles grandiosem neuen Erzählungsband  -  was weniger überrascht, wenn man die Umstände von dessen Publikation bedenkt: "Das Ende ist nur der Anfang" erscheint bei Hanser und zwar zunächst auf Deutsch, später erst im Original. Ein ohne Zweifel gewinnbringendes Konzept, kommentiert von Sternburg, ehe sie sich den präzise, originell und flüssig übersetzten Erzählungen selbst widmet. Hier zeigt sich Boyle wieder einmal von seiner besten, seiner düstersten Seite, lesen wir, und ganz ohne "Ermüdungserscheinungen". Die Gefahr ist in den zwölf Geschichten allgegenwärtig, der Tod droht an jeder Ecke, alle haben Angst, nirgends ist es schön, außer vielleicht in den letzten Fantasien und Hoffnungen der Leute. Jede der Geschichten eröffnet eine völlig neue und dennoch übel vertraute Welt, immer wieder gilt es, sich zurechtzufinden, denn dieser Autor bietet keine Erklärungen, nur Anschauungen, so Sternburg. Effektvoll, schaurig, unterhaltsam, schonungslos und ganz selten einmal ein bisschen vorhersehbar sind diese Anschauungen, so die Rezensentin, und dazu auf lässige Weise zeitgemäß und "weltumspannend".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.07.2026

Rezensentin Irene Binal ist auch von den neuen Erzählungen T.C. Boyles begeistert, mit kleinen Einschränkungen. Wie gewohnt hat sich Boyle den Schutz der Natur auf die Fahnen geschrieben und läuft in diesem Band auch in der Kürze zu "Hochform" auf, versichert die Kritikerin. Auf originelle Weise bricht in die Geschichten die Klimakatastrophe ein, nämlich genau mit dem Gegenteil des Erwarteten: Statt Hitze und Dürre sorgt die Erderwärmung für eisige Kälte im Sommer, unter der ein Rentnerehepaar zu leiden hat. Die vielfältigen "Bereiche der menschlichen Existenz" leuchtet Boyle auch in den anderen Stories aus, es geht um menschenfressende Tiger, eine Pianistin, die mit Edward Elgars Konzert zu kämpfen hat, eine republikanische Abgeordnete, die ein Schutzgebiet für Schmetterlinge zu einer geheimen Basis für Kinderhandel erklärt. Dezidiert politisch wird der Autor dann in einer "boshaften Groteske", in der die Grönland-Annexion durch die USA schon stattgefunden hat und sich laut Rezensentin die ganze Wut Boyles auf die Trump-Regierung Bahn bricht. Es gibt ein paar schwächere Geschichten, bedauert Binal, der starken Wirkung des sonst "fein komponierten" Bandes tut das aber keinen Abbruch, lesen wir abschließend. 

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