Sybille Bedford

Ein trügerischer Sommer

Roman
Cover: Ein trügerischer Sommer
SchirmerGraf Verlag, München 2006
ISBN 9783865550286
Gebunden, 282 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Sigrid Ruschmeier. Ende der zwanziger Jahre war Europa ein Ort der Hoffnung. Jedenfalls für die siebzehnjährige Flavia, die sich einen Sommer lang an der Cote d'Azur einrichtet, um für ihren Studienplatz in Oxford zu büffeln. Noch ahnt sie nicht, welche Ablenkungen auf sie warten. Elegant und scharfzüngig nimmt Sybille Bedford in dieser Fortsetzung zum "Liebling der Götter" die mondäne Gesellschaft der Zeit aufs Korn, und zeigt ganz nebenbei, wie tief die Abgründe der Verführbarkeit sein können.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.07.2006

Rezensentin Kristina Maidt-Zinke mochte dieses Buch und beschreibt seine Autorin Sybille Bedford als "genuine Femme des Lettres" und "geistreiche Beobachterin des mondänen Milieus". Trotzdem scheint die Geschichte der siebzehnjährigen Flavia, die sich ihrer Beschreibung zufolge Ende der zwanziger Jahre irgendwo am Mittelmeer "einer privilegierten Tagesroutine" hingibt, nicht ganz ihren hohen Ansprüchen an die Gattung "Roman" zu entsprechen. Denn nur wenn Bedford aus der Zeitgeschichte schöpfe, analysiere und ironisch kommentiere, glänze ihre Prosa "nach Journalistenart". Wo sie sich auf die Imagination verlasse, werde Bedfords gerühmtes "Champagnerprickeln" doch deutlich schwächer. Daher ist es vor allem das Dokumentarische, das die Rezensentin an diesem Buch so fasziniert: die Beschreibung einer untergegangenen Welt, deren Protagonisten "ihre Heimatlosigkeit zum Lebensstil ummünzen".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.07.2006

Beinahe unmöglich ist es, von Sibylle Bedfords Stilsicherheit und Eleganz nicht beeindruckt zu sein - so ließe sich die eine Hälfte des Urteils des Rezensenten Ernst Osterkamp resümieren. Überreichlich lege die in diesem Jahr mit 95 Jahren verstorbene Autorin auch in diesem Roman, der eine Art Ableger des Vorgängers "Quicksands" darstellt, Zeugnis ab von ihrer Kunst der atmosphärischen Beschreibung, der genauesten psychologischen Beobachtung von Verführungen. In diesem Fall, in dem es um Flavia, die Tochter der Hauptfigur Constanza aus "Quicksands", geht, vor allem die Verführung der Frau durch die Frau. Eingewoben ist diese Verführungsgeschichte in das größere Design einer bitteren Desillusionierungserzählung, deren Protagonistin eben die hochfahrende Flavia ist. Am Ende des Sommers muss sie ihre Absicht, in Oxford zu studieren, aufgeben. Auch ihre ethische Integrität, mit der sie als Schriftstellerin die Welt verbessern wollte, ist gründlich angekratzt. Das alles findet Osterkamp fast atemberaubend genau und virtuos geschildert. Allerdings will er die problematische Seite von Bedfords Kunst nicht verschweigen: Manchmal gerate die Kühle des Blicks doch in die Nähe der "konfektionierten Art-deco-Glätte" etwa der Kunst der Tamara de Lempicka. Keine Frage dennoch, dass hier die Begeisterung überwiegt. Ein dickes Lob geht an Sigrid Ruschmeier für ihre "stilsichere" Übersetzung.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.04.2006

Renate Wiggershaus stellt den bereits 1968 erschienenen Roman von Sybille Bedford vor, der nun in einer neuen Übersetzung vorliegt. Er erzählt die Geschichte um Intrige und Verrat, die sich in den 20er Jahren an der Cote d'Azur während zweier Sommermonate um die junge Flavia, ihre Mutter und deren Liebhaber ereignet, und mitunter hat sie durchaus den "Charakter eines Krimis", findet die Rezensentin. Doch das "zentrale Thema" im literarischen Werk der deutsch-britischen Autorin, das auch in "Ein trügerischer Sommer" ein Leitmotiv darstellt, ist die Unmöglichkeit, die "Wahrheit" herauszufinden, erklärt Wiggershaus, der gefällt, dass gerade in den "Andeutungen" und den Dingen, die der Roman verschweigt, der "Imagination Raum" gegeben wird und so immer neue "Facetten der Wahrheit" sichtbar werden. Gerade hier sieht die Rezensentin die Vorzüge dieses "eleganten wie asketischen" Romans, den sie als "gleichermaßen attraktiv" wie "geheimnisvoll" lobt.
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