Aus dem Amerikanischen von Thomas Gunkel. In diesen preisgekrönten Erzählungen entfaltet Stewart O`Nan die ganze Bandbreite menschlichen Lebens zwischen Verzweiflung und Hoffnung. Es sind keine Superhelden, sondern Helden des Alltags, Menschen, die um ihre Existenz kämpfen, um Respekt, Würde und manchmal um Liebe.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.07.2000
Nach Hans-Peter Kunisch hebt sich der Autor mit diesen Erzählungen (die in den USA bereits 1993 veröffentlicht wurden) in mancher Hinsicht von der "Tradition amerikanischen Erzählens" ab. Als Beispiel dafür nennt der die Erzählung `Die Suche nach Amy`, in der es eine für amerikanische Verhältnisse recht offenherzige Sex-Szene gibt. In der Geschichte `Jüngstes Gericht` hingegen spielt das Thema Kunst "eine wichtige Rolle", was der Rezensent ebenfalls für die amerikanische Erzähltradition recht untypisch findet. Dieser Text erscheint Kunisch aber auch unter anderen Gesichtspunkten interessant: so gibt es in einem alten Hotel ein Wandgemälde, über dem ein Vergrößerungsglas angebracht ist. Und wie unter einem Vergrößerungsglas nehme der Leser auch die "Gedanken und alltäglichen Bewegungen" des Protagonisten wahr, der sich mit Aids und dem Sterben eines Freundes auseinandersetzen muss. Aber gerade mit dem Blick durch jenes Vergrößerungsglas hat der Autor "jeden Expressionismus des Schreckens" vermieden, befindet der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.05.2000
Sehr pessimistisch, fast erdrückend findet Jörg Häntzschel die Erzählungen des Amerikaners Stewart O`Nan, deren Titel "Die Armee der Superhelden" nichts als pure Ironie darstellt. Dennoch ist der Rezensent sehr angetan von diesen Kurzgeschichten, die geradezu klassisch um Männer und ihre Verluste - Frau, Kind, Gedächtnis, Kommunikation - kreisen. O`Nan vermeide dabei aber, schreibt Häntzschel, die konventionelle Konstruktion der Short story, bei ihm gebe es keinen Kulminationspunkt, keine abgeschlossene Handlung, sondern ein geschicktes und immer wieder überraschendes Spiel der Zeitebenen. Besondere Meisterschaft zeige O-Nan im Aussparen der zentralen Momente im Leben seiner Superhelden - das wiederum, so finden wir, ist ein typisches und durchaus konventionelles Merkmal der `american Short story`.
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