Deborah Eisenberg

Rosie besorgt sich eine Seele

Wahrscheinliche Geschichten
Cover: Rosie besorgt sich eine Seele
Rowohlt Verlag, Hamburg 2000
ISBN 9783498016623
Gebunden, 253 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Sabine Hedinger, Antje Landshoff und Nikolaus Hansen. Eine junge Frau lässt achtlos eine Socke fallen und bezahlt diese kleine Schlamperei mit der Erkenntnis, dass ihr Leben im Chaos versinkt. Eine andere hält den Kontakt zur Welt, indem sie die geborgte Wirklichkeit ihrer Heroinsucht durch die der Kleptomanie ersetzt. Eine dritte verarbeitet ein ganzes ungelebtes Leben samt dem Holocaust in einem zu spät geschriebenen Brief. Deborah Eisenbergs Heldinnen sind verlorene Gestalten in einer Welt, die ihnen entgleitet: moderne Fetisch- und Geistergläubige auf der Suche nach einer - nach irgendeiner - Ordnung. In ihrer grenzenlosen Freiheit geben sie sich cool, beredt und umtriebig, während sie hektisch aus einer verfahrenen Lage in die andere fliehen, und sie träumen von jenem sagenhaften, menschlichen Reich in ihrem Inneren, in dem ihre Seele schlummert: Atlantis.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.08.2000

Ingeborg Harms liefert in ihrer Besprechung einige ausgezeichnete Gründe, warum sie dieses Buch so "anziehend" findet: die Geschichten handeln von "weiblichen underdogs", mittellosen jungen Frauen, die nichts als ihre Intelligenz, lakonischen Witz und einen illusionslosen Blick für ihr Durchkommen einsetzen können. Dieser Blick, so Harms, kann jedoch unerträglich sein. Als Beispiel zitiert sie eine Stelle aus der Geschichte `Keine Lust`, in der die Protagonistin erstmals ein teures Abendkleid anzieht, sich vor den Spiegel stellt und sagt: `jetzt oder nie. Also dann - nie, sagte der Spiegel kühl. Oder jedenfalls nicht jetzt.` Der kühle Blick ist nicht nur ein Dilemma für die Frauen, sondern auch für die Autorin, meint Harms und fragt: "Ist es angesichts überwältigender Leiden legitim, sie (die Geschichten) fesselnd und mit einer trotz aller Widrigkeiten stark vibrierenden Hoffnung zu erzählen ... oder verlangt die Moral, das menschliche Unglück in seiner ganzen Inkonsequenz auszubreiten?" In drei der fünf Geschichten wehren sich die Frauen gegen ein anscheinend unabänderliches Schicksal, in den anderen zwei bleibt alles hoffnungslos. Die Entscheidung, was richtiger ist, sei dem Leser überlassen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.08.2000

Angela Schader erklärt zunächst, dass die bisher erschienenen Erzählungen der Autorin eine Zusammenstellung aus verschiedenen Originalbänden ist, und dass sich in dem vorliegenden Band nun die restlichen Texte aus "All Around Atlantis" befinden. Die Geschichten scheinen nur schwer auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen zu sein, allerdings betont die Rezensentin ihren - im Vergleich zu Eisenbergs anderen Erzählungen - intimen Charakter. Schader geht auf verschiedene Erzählungen im Einzelnen ein und stellt dabei fest, dass sich viele Figuren in einer Art von seelischem und körperlichem "Transit" befinden. So etwa das Mädchen Francie, dass nach dem plötzlichen Tod der Mutter mit einer Orientierungslosigkeit zu kämpfen hat. Schader zeigt sich beeindruckt von der "literarischen Intelligenz" der Autorin, die keine Antworten gibt, sondern vielmehr eine meditative Welt ganz "subtiler" Art beschreibt.
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